RICHARD STRAUSS - DER OLYMPIER

DER KLASSIZIST

Seine stilistische Sicherheit, seine geniale Arrangierkunst und der sprudelnde Reichtum seiner Ideen machten Richard Strauss immun gegenüber der Schaffensdepression, die viele seiner Kollegen wie von Hoffmansthal ("Schweigen des Lord Chandos") oder Arnold Schoenberg (Sechs kleine Klavierstücke op. 19) am Ende der Belle Epoque befiel. Selbst ein überzeugter Vertreter des Patriziertums, kämpfte Strauss lieber für die bürgerliche Anerkennung und entsprechende Vergütung des Komponisten, als sich an der zwölftönigen musikalischen Revolution zu beteiligen. Obwohl besonders seine Opern, insbesondere "Salome" und "Elektra", viele modern wirkende Wesenzüge haben, hat sich Strauss nie von der Tonalität gelöst und einen eigenen, klassizistischen Personalstil entwickelt. Dieser Stil, der quasi eine Weiterentwicklung der "Ewigen Melodie" Wagners mit der Strauss-eigenen Farbenpalette und Rhythmik darstellt, bekommt mit dem "Rosenkavalier" eine neue, klassisch-parodistische Variante, die sich mit "Arabella" und "Capriccio" bis an das Ende seines Schaffens fortsetzt. Dieser starke Personalstil hat in der Musik seiner Zeit wenig Parallelen. Wenn überhaupt, dann am ehesten in der neoklassizistischen Schaffensperiode Igor Strawinskys oder den späteren Werken Sergei Prokofjews.

LEBEN UND WERK

Seine Geburtsstadt München blieb ein Leben lang das gefühlte Zentrum seines Schaffens, auch wenn er sich mehrfach von ihr entfernen musste, um (wieder) mit offenen Armen empfangen zu werden. Nach seinen Studienjahren in München zog er 1886 als Dirigent an das Hoftheater in Meiningen, wo sein lebenslanger Mentor Hans von Bülow die Stelle des Hofkapellmeisters innehatte. Während Strauss' frühe Orchesterwerke unter dem Einfluss von Brahms und Schumann standen, wandte er sich in den Meiniger Jahren dem Wagnerschen Stil und insbesondere der durch Franz Liszt begründeten Gattung der symphonischen Dichtung zu.

 

1888 nach München zurückgekehrt, entstanden in der Folge seine Tondichtungen "Don Juan" und "Tod und Verklärung" die sowohl hinsichtlich ihres unverwechselbaren Individualstils als auch in Bezug auf die Publikumsresonanz außerordentlich erfolgreich waren. Strauss war damit zu einer Berühmtheit geworden. Zwischenzeitlich nahm er die Verpflichtung als Hofkapellmeister in Weimar an, leitete ab 1894 die Berliner Philharmoniker für seinen verstorbenen Freund und Mentor Hans von Bülow und wirkte als Dirigent bei den Bayreuther Festspielen. 1895 nach München zurückgekehrt, schuf er die Tondichtungen "Till Eugenspiegels lustige Streiche", "Also sprach Zarathustra" und "Don Quixote". Spätestens mit diesen Tondichtungen, die heute zum Standardrepertoire jedes Orchesters von Rang zählen, war Strauss im Olymp der klassischen Musik angekommen und international berühmt.

 

Doch das war erst der Anfang: Von 1898 an leitete Strauss zwanzig Jahre lang die Hofoper unter den Linden in Berlin. In diese Zeit, die durch vielen internationale Reisen geprägt war, auf denen er unter anderem Hugo von Hoffmansthal, seinen kongenialen Librettisten, kennenlernte, fiel nicht nur die Komposition des "Heldenleben" und der "Alpensinfonie", sondern vor allem und in schneller Folge die Entstehung seiner Opern "Salome" (1905), "Elektra" (1909) und "Rosenkavalier" (1911). Außerdem widmete sich Strauß in seiner Berliner Zeit auch der Aufführung von zeitgenössischen Komponisten und engagierte sich stark für die gesellschaftliche Anerkennung von Musikern durch die Mitbegründung der Genossenschaft Deutscher Tonsetzer (Vorläufer der GEMA, 1903) und den Vorsitz des Allgemeinen Deutschen Musikvereins (1901).

 

1919 gehörte Richard Strauss zusammen mit dem Bühnenbildner Alfred Roller, dem Dirigenten Franz Schalk und dem Regisseur Max Reinhard zu den Initiatoren der ersten Salzburger Festspiele. Im ersten Jahr gab es wegen anfänglichem Geldmangel nur den "Jedermann", in den Folgejahren aber bereits Konzerte und 1921 mit "Don Giovanni" unter Strauss' Leitung die erste Oper.

DER "HOMO POLITICUS"

Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Kehrseite seines internationalen Ruhms und des darauf aufbauenden gesellschaftlichen Engagements für die bürgerliche Anerkennung von Musikern war Richard Strauss' unglückliche Verflechtung mit den Nazis, unter deren Herrschaft er für einige Zeit Reichmusikkammerpräsident war. Sicherlich war Strauss kein unkritischer Nationalsozialist, alleine schon sein Eintreten für seinen jüdischen Librettisten Stefan Zweig und seine jüdische Schwiegertochter lassen dies abwegig erscheinen. Und doch komponierte er auch für die Nazis: Die offizielle Olympiahymne (1936) oder eine Bläserfanfare für Baldur von Schirach (1944). Auch in seinen Wortmeldungen hatte Strauss nicht immer eine glückliche Hand. Selbst hat in seinen letzten Lebensjahren, die er in seinem Haus in Garmisch zubrachte, wenig zur Aufklärung beigetragen. Am Ende überwiegt das Gefühl, dass der Partiziersohn Strauss sich echte Opposition nie vorstellen, geschweige denn ausüben konnte. Im Gegensatz zur Kunst, war ihm auf politischer Ebene am Ende das eigene Hemd näher, als der politische Rock. Unter den Umständen verständlich, aber eben kein "Heldenleben".

VIER WERKE VON RICHARD STRAUSS IN VOLLER LÄNGE

Zum 150. Geburtstagsfest von Richards Strauss präsentieren wir für kurze Zeit vier Werke von Richard Strauss kostenlos in voller Länge. Einige davon, unter anderem die "Alpensymphonie" und "Salome" sind auf Klassik.TV in mehreren Fassungen zu sehen. Schauen Sie sich um und vergleichen Sie. Viel Spaß wünscht Ihnen Ihr Klassik.TV Team!

ALSO SPRACH ZARATHUSTRA (HIER ANSEHEN)

Zarathustra, bekannt durch die Adaption in Stanley Kubricks Film 2001 - Space Odyssee, klingt königlich, wie ein Sonnenaufgang. Die symphonische Dichtung von Richard Strauss ist heute wohl gar bekannter, als ihr Namensgeber, das gleichnamige philosophische Werk von Friedrich Nietzsche. Hier zu sehen in einer Fassung des Conzertgebouw Orchesters unter Mariss Jansons.

 

EINE ALPENSYMPHONIE (HIER ANSEHEN)

In der "Alpensymphonie" entführt uns Richard Strauss zu einem romantischen Ausflug. Ohne eine Spur von Bombast oder Schwerfälligkeit dirigiert Thielemann die Wiener Philharmoniker und präsentiert damit eine neue Version dieser Symphonie, die sich mit einer der Kammermusik ähnlichen Tranparenz hervortut.

 

SALOME (HIER ANSEHEN)

Der elektrisierende Sopran von Cathy Malfitano überzeugt durch eine tour de force in dieser Produktion der "Salome" von Luc Bondy aus dem Royal Opera House, Convent Garden. Die Geschichte der hebräischen Prinzessin Salome wird hier in anschaulicher Deutlichkeit von der anfänglich puren Neugier über die allmähliche Betörtheit bis hin zum liebestollen Raserei gezeigt, in die sie der stets verklärt-abweisende Prophet Jochanaan treibt.

 

DER ROSENKAVALIER (HIER ANSEHEN)

"Die Besten der Besten auf der Bühne versammelt", schrieb Deutschlands führende Tageszeitung Frankfurter Allgemeine nach der Premiere von Richard Strauss' “Der Rosenkavalier” im Festspielhaus Baden-Baden. Die Dramaturgie zwischen den fabelhaften Sängerinnen und Sänger, in einem prachtvollen Ambiente von zeitloser Eleganz, wird durch ein Spiegelspiel evoziert, das die wechselnden Gefühle des Protagonisten-Trios widerspiegelt. Dieser "deluxe Rosenkavalier" (The Sunday Times) setzt Standards, die lange unübertroffen bleiben werden.