Artur Rubinstein im Konzertsaal

Der polnische Pianist Artur Rubinstein (* 28. Januar 1887 in Łódź; † 20. Dezember 1982 in Genf) gilt noch heute als einer der größten Chopin-Interpreten. Sein bewegtes Leben hat ihn zum Kosmopoliten und noch zu Lebzeiten zu einer Legende gemacht. Er verfügte über Talent im Übermaß. Das machte es ihm, dem Lebe- und Genussmenschen schwer, die nötige Disziplin zum Üben aufzubringen. So wird ihm das Bonmot zugeschrieben: "Lieber am Abend ein wenig zittern, als jeden Tag sechs Stunden üben."

 

Rubinsteins pianistische Laufbahn begann im Berlin der Jahrhundertwende, wo er - gefördert durch reiche Mäzene - bei Karl Heinrich Barth alles lernte, was ihn später als Klaviervirtuosen auszeichnete. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts unternimmt er seine ersten Konzertreisen, zunächst u.a. nach Warschau, Paris, in die USA und 1912 schließlich nach London, wo er Musiker wie Strawinski und Pablo Casals kennenlernt. 1916 bereist er zum ersten Mal Spanien, erobert die Herzen der Musikfreunde im Sturm, wird zum Widmungsträger vieler Kompositionen, u.a. von so renommierten Komponisten wie Enrique Granados, Isaac Albéniz, Manuel de Falla und Heitor Villa-Lobos. Außerdem wird er zum erklärten Freund des Könighauses.

 

Rubinsteins früher Erfolg war zugleich auch immer seine größte Gefahr: „Als junger Mensch war ich faul. Ich hatte Talent, aber es gab vieles in meinem Leben, was mir wichtiger war als Üben. Gutes Essen, gute Zigarren, große Weine, schöne Frauen ... Als ich in den lateinischen Ländern spielte, in Spanien, Frankreich, Italien, liebte man mich wegen meines Temperaments. In Russland hatte ich auch keine Schwierigkeiten, aber in England und Amerika meinte das Publikum, für sein Geld alle Noten hören zu müssen; ich ließ jedoch damals viele unter den Tisch fallen, vielleicht dreißig Prozent, und man fühlte sich betrogen. Ich konnte nicht täglich acht bis zehn Stunden am Klavier sitzen. Ich lebte für jede Minute. Ich war tief beeindruckt von Leopold Godowsky. Fünfhundert Jahre würde ich brauchen, um solche Technik zu bekommen. Aber was hatte er davon? Er war ein unglücklicher, verkrampfter Mensch, der sich elend fühlte, wenn er nicht am Klavier saß. Hat er sein Leben nicht verpasst?“

 

Für Rubinstein, den Thomas Mann den "glückhaften Virtuosen" nannte, wurde allerdings die Erscheinung eines antipodischen Giganten, Vladimir Horowitz, zu einer schicksalshaften Begegnung. Erst, nachdem er Horowitz gehört hatte, begann Rubinstein wieder zu üben, nicht weil er Horowitz, sondern "sich selbst hasste". Während des 2. Weltkrieges zog Rubinstein von Paris nach Hollywood und nahm die amerikanische Staatsbürgerschaft an. 1954 zog er zurück nach Paris, nur wenige Meter von Debussys letzten Haus entfernt.

 

Rubinsteins musikalisches Schaffen ist durch zahlreiche Ehrungen, Preise und Auszeichnungen gekrönt. Unter anderem war er "Commander of the British Empire" (CBE) und erhielt zahlreiche Grammy Awards, einschließlich der Auszeichnung für das Lebenswerk.