Krystian Zimerman im Konzertsaal

Der polnische Pianist Krystian Zimerman (* 5. Dezember 1956 in Zabrze, Polen) ist einer jener genialisch begabten Klaviervirtuosen, deren Perfektionsanspruch sie beinahe schon zu Lebzeiten zur Legende werden lässt. Schon heute halten viele Kritiker seine Auftritte und Einspielungen für das Beste, was auf dem Klavier möglich ist.

 

Zimerman, der seine steile Karriere 1975 mit dem ersten Preis beim Warschauer Chopin-Wettbewerb begann, zog später viele seiner frühen Aufnahmen, die ihn durch die ganze Welt führten, u.a. mit so großen Dirigenten wie Karajan, Bernstein, Osawa oder Rattle wieder zurück, so dass heute nur einige wenige erhältlich sind. Diese gelten dafür aber zumeist als Referenzeinspielungen, wie beispielsweise die Interpretationen von Debussys Préludes sowie die Klavierkonzerte, der Totentanz und die h-Moll-Sonate von Franz Liszt.

 

Zimerman gibt heute nur noch wenige Konzerte und tritt bisweilen auch als Dirigent auf, wie zum Beispiel nach dem Tode von Leonard Bernstein, mit dem zusammen er eine Gesamteinspielung der Klavierkonzerte von Beethoven in Angriff genommen hatte. Zimerman ergänzte die zwei letzten Klavierkonzerte und leitete dabei auch das Orchester (was übrigens Rudolf Buchbinder bei seiner kürzlichen Gesamteinspielung ebenfalls tat).

 

Zimerman ist ein streitbarer Geist, der unter anderem digitale Audioaufzeichnungen ablehnt, weil sie "nur Töne, aber keine Musik" wiedergeben. Nach Zimermanns Auffassung wird beim Musizieren mehr übertragen, als nur Klang. Musik ist seiner Ansicht nach die "Organisation von Emotionen in zeitlicher Abfolge" und das immer vorhandene "Hintergrundrauschen" (Humming) eines Raumes unabdingbare Voraussetzung für den Künstler, seine Botschaft "dagegen zu lehnen". In der digitalen Musik wird dieser Raumklang aus seiner Sicht eliminiert. Aus diesem Grund sind auch die meisten seiner Aufnahmen schon mehrere Jahrzehnte alt und der Virtuose weigert sich, neue Stücke mit digitaler Technologie einzuspielen.

 

Einen weiteren Beweis seiner Streitbarkeit lieferte Zimerman 2009, als er vor einem Konzert in den USA vor das Publikum trat und mit den Worten "Get your hands off my country" ("Lassen Sie die Finger von meinem Land") Position gegen den geplanten Raketenschild der USA in Polen bezog. Sein Zorn hatte aber möglicherweise persönliche Gründe, weil der US-Zoll einen seiner Konzertflügel konfisziert und vernichtet hatte.