"Castor und Pollux" im Konzertsaal

1737 uraufgeführt

Libretto: Pierre-Joseph Bernard

Castor und Pollux - Het Muziektheater Amsterdam 2008

Castor und Pollux ist eine wahrhaft tragisch-schöne Geschichte zwischen Zwillingsbrüdern, deren gegenseitige Liebe schließlich über ihre schicksalshafte Ungleichheit triumphiert: Castor ist unsterblich, während sein Bruder Pollux menschlich ist. Doch die Schicksale der beiden Spartaner sind zusätzlich in doppelter Weise verflochten: Die Zwillingsbrüder lieben beide die gleiche Frau. Eine Liebe, die die Brüder schließlich nicht entzweit, sondern ihr schaurig-schönes Ende als brüderlich-ewiges Doppelgestirn am Himmel findet. Die Komposition gilt heute fraglos als schönstes Opernwerk von Rameau. Zur Zeit ihrer Uraufführung führte die musikalische Umsetzung zu einem veritablen Kunstkrieg zwischen den Anhängern des älteren "Erfinders" der französische Oper, Jean-Baptiste Lully, und dem jüngeren Rameau, dessen Anhänger spöttisch die "Rameauneurs" (Kaminfeger) genannt wurden.

 

Handlung:

Akt I:

Die Handlung beginnt mit der Katastrophe: Castor, der sterbliche der beiden Brüder, ist im Krieg durch die Hand des feindlichen Königs Lynkeus gefallen. Pollux hat zwar den Bruder gerächt und Lynkeus getötet. Doch Prinzessin Telaira hat nur Castor geliebt. Deshalb beantwortet sie Pollux' Liebesantrag mit der Bitte, Jupiter um die Wiedererweckung von Castor zu ersuchen.

Akt II:

Pollux ist verzweifelt, denn er weiss, dass seine Liebe zu Teleira für immer unerfüllt bleiben wird, wenn Castor aus dem Reich der Toten zurückkehrt. Trotzdem erfüllt er aus Bruderliebe ihre Bitte und fleht bei Jupiter um das Leben Castors. Der Gott gesteht, dass er Castor nur dem Hades entreissen kann, wenn sich an seiner Stelle ein anderer opfert. Obwohl Hebe, die Göttin der Jugend, Pollux von seinem Plan abzubringen versucht, beschließt der unsterblich geborene Pollux, sich an seines Bruders statt als Sterblicher in den Hades zu begeben.

Akt III:

Vor den Dämonen an den Toren des Hades versucht Prinzessin Phoebe aus Liebe zu Pollux, diesen von seinem Plan abzuhalten. Als Teleira erscheint, erkennt Phoebe, dass ihre Liebe von Pollux nicht erwidert wird. Trotzdem versucht sie mit Hilfe der Dämonen, Pollux von seinem Plan abzuhalten. Pollux gelingt es aber mit Hilfe von Merkur, die Dämonen zu besiegen und den Abstieg in den Hades anzutreten.

Akt IV:

Auf den Elysischen Feldern der Unterwelt wird Castor vom Schmerz über den Verlust seiner geliebten Teleira verzehrt. Da begegnet ihm unerwartet sein Bruder Pollux, um ihn zu retten. Castor verspricht Pollux, nur für einen einzigen Tag auf die Erde zurückkehren zu wollen, um sich von seiner geliebte Telaira zu verabschieden.

Akt V:

Aus der Rückkehr von Castor schließt Phoebe, dass sie Pollux für immer verloren hat und tötet sich, um mit Pollux im Hades zu vereint zu sein. Als Teleira erfährt, dass Castor nur für einen Tag zurückgekehrt ist, ist sie verzweifelt und wirft ihm vor, sie nicht wirklich geliebt zu haben. In diesem Moment erscheint Jupiter als "Deus ex Machina" und erklärt, dass sich beide Brüder aufgrund ihrer Liebe inskünftig die Unsterblichkeit teilen. In einer feierlichen Apotheose ("fête de l'univers") feiern Sonne, Gestirne und die Planeten die Brüder als neue Doppelsterne, die "Zwillinge", am Firmament.

Personen:

Castor, Hoher Countertenor
Pollux, Bass    
Télaïre, Sopran    
Phoibe, Sopran    
Jupiter, Bass
Venus, Sopran
Mars, Bass
Minerva, Sopran