"Cavalleria Rusticana" im Konzertsaal

1890 uraufgeführt

Libretto: Giovanni Targioni-Tozetti und Guido Menasci nach Giovanni Verga

Cavalleria Rusticana - Teatro Real Madrid 2007

Wie Castor und Pollux sind die beiden Einakter "Cavalleria Rusticana" und "I Pagliacci" zum Sternenzwilling am Himmel der Versimo-Oper geworden. Verismo steht für die äußerste Leidenschaft, Sinnlichkeit und Authentizität, zu der Musiktheater im Stande ist. Damit ist die Verismo-Oper der Gegenentwurf zur Opera seria oder zur Grand Opéra: Hier geht es nicht um Könige, Prinzessinnen oder Götter, sondern um das echte, ungeschminkte Leben von Arbeitern, Bauern, Ganoven und Clowns, mit kurzen Momenten der Ekstase, tiefer Verzweiflung und gewaltsamen Bahnen, die sich die Emotionen brechen. Die großen Verismo-Opern könnte man aus heutiger Sicht durchaus als Sozialdramen bezeichnen. Viele von ihnen, u.a. die "Cavalleria", beruhen auf tatsächlichen Begebenheiten.

 

Handlung:

Die "Cavalleria Rusticana" spielt an einem Ostermorgen in einem sizilianischen Dorf. Die Vehemenz dieses Dramas von Liebe, Eifersucht und Tod resultiert aus dem unvermittelten Konflikt zwischen Armut, archaischen Ritualen, christlicher Prägung und aufflammender Leidenschaft. Sie ist damit eine Momentaufnahme einer Gesellschaft, die sich unreflektiert und selbstvergessen in einer Schaukelbewegung zwischen Lebenswut und Selbstzerstörung befindet. Wie universell und weitreichend dieser Stoff ist zeigt, dass fast 100 Jahre danach der dritte Teil der Film-Trilogie "Der Pate" immer noch auf wesentlichen Handlungsmotiven dieser Oper aufbaut.

Einziger Akt:

Turridu liebt Lola. Seine Mittelosigkeit und der Kriegsdienst verhindern die Hochzeit. Nach seiner Rückkehr ist Lola bereits mit dem Fuhrmann Alfio verheiratet. Turridu verspricht der jungen Santuzza die Ehe, kann aber nicht von Lola lassen. In der Abwesenheit von Alfio kommen sich Turridu und Lola näher, als sie sollen. Am Ostermorgen spitzt sich die Lage zu. Santuzza stellt Turridu zur Rede. Er hat nur Augen für die kokette Lola und stößt sie weg. Santuzza's Liebe schlägt in Hass um. Sie verflucht Turridu und verrät ihn an Alfio. Nach dem Osterfrieden, der durch ein symphonisches Intermezzo wie das Auge des Orkans wirkt, kommt es zu einem Trinkgelage. Als Alfio Turridu stellt, beißt der Alfio ins Ohr — was nach archaischen Regeln die Herausforderung zum Duell bedeutet.

Alfio nimmt diese Herausforderung gerne an, zumal sein Rivale beträchtlich über den Durst getrunken hat. Turridu erkennt die heraufeilende Gefahr, verabschiedet sich von seiner Mutter und empfiehlt ihr Santuzza zum Schutz an, bevor er versucht zu fliehen. Wenige Augenblicke später gellen Schreie durch den Ostermorgen, das christliche Fest des Friedens. Alfio hat Turridu erstochen.

Personen:

Santuzza, eine junge Bäuerin (Sopran)
Turiddu, ein junger Bauer (Tenor)
Lucia, seine Mutter (Alt)
Alfio, ein Fuhrmann (Bariton)
Lola, seine Frau (Sopran)
Landleute, Kinder (Chor)