"Die Liebe zu den drei Orangen" im Konzertsaal

1921 uraufgeführt

Libretto: Sergei Prokofiev (nach Carlo Gozzi)

Die Liebe zu den drei Orangen - Opéra national de Paris 2005

Sergei Prokofievs (1891-1953) erster Besuch der USA im Jahre 1918 war sehr erfolgreich. Als Ergebnis gefeierter Konzerte, unter anderem mit seiner ersten Symphonie, erhielt er von Cleofonte Campanini, dem Chef der Chicago Opera Association, den Auftrag, eine Oper zu schreiben. Praktischerweise hatte Prokofiev schon ein Libretto in der Schublade. Nämlich eine Bearbeitung von Carlo Gozzis Commedia dell'Arte - Stück "L'amore delle tre melarance" von 1761, das wiederum auf einem Märchen Giambattista Basiles (1575-1632) basiert. Sergei Prokofiev arbeitete mit einer russischen Übersetzung von Vsevolod Emilevich Meyerhold (1874-1940), die das Stück des Venezianers Gozzi modernisierte und mit einer Brise Surrealismus versah. Da es undenkbar, das Werk in russisch zur Aufführung zu bringen und Prokofiev kaum englisch sprach, wurde wahrscheinlich mit Hilfe der Sopranistin Vera Janacopoulos eine französische Fassung erstellt. Das konnte die schlechten Kritiken aber nicht verhindern und das Werk verschwand in den USA in der Versenkung. In Russland schon in den 20er-Jahren gespielt, holte 1949 die New York City Opera das Stück wieder hervor und ebnete damit den Weg ins absolute Standardrepertoire.

 

Handlung:

Prolog:

Die "Tragischen", "Komischen", "Lyrischen" und die "Hohlköpfe" führen vor dem Vorhang einen Wettstreit darüber, welcher Art Geschichte gegeben werden soll. Der Zank wird von den "Lächerlichen" unterbrochen, die das Stück "Die Liebe zu den drei Orangen" ankündigen und versichern, dass alle Gruppen Einfluss haben werden.

Akt I:

Am Hofe König Treffs herrscht Sorge um den Erbprinzen. Er kann ist in einer tiefen Depression gefangen - nur das "Lachen" kann ihn kurieren. Truffaldino erhält den Auftrag, den Prinzen zum Lachen zu bringen. Mit großem Aufwand wird der Versuch gestartet. Premierminister Leandre und Prinzessin Clarice, die Nichte des Königs, schmieden einen Verschwörungsplan, um den Prinzen beiseite zu schaffen und selbst an die Macht zu gelangen. Die Hexe Fata Morgana unterstützt die Beiden.

Akt II:

Die Mühen, den Prinzen zum Lachen zu bringen, schlagen fehl. Als allerdings die Hexe Fata Morgana zu Boden geht und man auch noch einen Blick auf ihren Unterrock bekommt beginnt der Prinz lauthals zu lachen. Die Hexe verflucht ihn dafür. Von nun an soll er von "der Liebe zu den drei Orangen" besessen sein. Augenblicklich machen der Prinz und Truffaldino sich auf, diese zu finden.

Akt III:

Die Beiden können die Orangen erobern - nicht zuletzt eine Köchin mit sonorem Bass gilt es zu überwinden. Aus einer der Früchte entspringt Ninette, in die sich der Prinz verliebt und die Hochzeit anstrebt. Doch Fata Morgana durchkreuzt den Plan, verwandelt Ninette in eine Ratte und setzt die ihr gefügige Smeraldina als falsche Ninetta und Braut ein.

Akt IV:

Die böse Hexe wird besiegt und Ninetta mit der Hilfe des guten Zauberers Tschelio aus ihrem Rattendasein befreit. Mit einem großen Fest zur Hochzeit wird jubilierend geendet.

Personen (deutsch/französisch):

Der Prinz, Le Prince (Tenor)
König Treff, Le Roi de Trèfle, père du prince (Bass)
Prinzessin Clarice, La Princesse Clarice, Nichte des Königs (Mezzosopran)
Leandre, Léandre, Premierminister (Bassbariton)
Truffaldino, Trouffaldino (Tenor)
Tschelio, Tchélio, Zauberer (Bass)
Fata Morgana, Hexe (Sopran)
Ninetta, Ninette, Prinzessin (Sopran)
Die Köchin, La Cuisinière (Bass)
Smeraldina, Sméraldine (Mezzosopran)