"Doktor Faust" im Konzertsaal

1925 uraufgeführt, Semperoper Dresden

Libretto: Ferruccio Busoni nach dem Werk von Johann Wolfgang von Goethe

Doktor Faust - Oper Zürich 2006

Vier Jahre lang beschäftigte sich der Wahl-Berliner Ferruccio Busoni mit dem Faust-Stoff, bevor er 1914 den Text in nur sechs Tagen niederschrieb. Mit der Komposition hingegen begann er erst 1916 und hinterliess bei seinem Tod im Jahr 1924 ein unvollendetes Werk. Ebenfalls 1916 hatte Busoni nach dem Vorbild Nietzsches in seinem Aufsatz "Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst" die Umwertung aller musikalischen Werte gefordert. Busoni ist ein Suchender, genau wie Faust, sein dramatischer Held. Und er ist ein Virtuose, dessen Tonkunst den Konformisten zu modern und den Modernen zu konventionell, der als Italiener zu deutsch und als Deutscher zu Italienisch war. In Wirklichkeit ist Busoni, der bereits als Wunderkind am Klavier weltweit begeistert, sich aber nichts daraus macht, ein Kosmopolit und einer der ersten wahrhaften Europäer. Der Facettenreichtum und die Überfülle seiner musikalischen Sprache sind in kaum einem Werk authentischer zu erleben, als im grandiosen Bilderreigen der Faustgeschichte.

 

Handlung:

Wittenberg und Parma - ausgehendes Mittelalter

Der Dichter an die Zuschauer:

Der Dichter tritt vor den Vorhang und erklärt die Wahl seines Stoffes sowie deren Ursprünge im Puppenspiel. Zur anschließenden "Sinfonia" findet eine Ostervesper statt.

Vorspiel I:

Faust's Suche nach dem Kern der Wahrheit ist in der Krise. Sein Assistent Wagner kündigt drei Studenten aus Krakau an. Sie bringen ein Lehrbuch der Magie, von dem sich Faust neue Erkenntnisse erhofft.

Vorspiel II:

Faust nutzt das Buch um zu Mitternacht sechs Geister erscheinen zu lassen. Befragt auf ihre Schnelligkeit wird nur der sechste, Mephistopheles, so schnell "als wir des Menschen Gedanke", den Ansprüchen Fausts gerecht. Befragt nach seinen Wünschen fordert Faust Genie. Mephistopheles hingegen kann nur Reichtum, Ruhm und Macht bieten. Faust winkt ab, bis er realisiert, dass er von Feinden umzingelt ist. Mephistopheles lässt im Handstreich Faust's Feinde sterben und erwirkt so die Unterzeichnung des Seelen-Pakts.

Zwischenspiel:

Im Münster von Wittenberg bittet ein Soldat Gott um Rache für seine Schwester Gretchen, die Faust geschändet hat. Mephistopheles erscheint und löst das Problem, indem er einer Horde vorgaukelt, es handle sich bei dem Soldat um den Mörder ihres Hauptmanns. Sie töten ihn.

1. Bild:

Die Hochzeit der Herzogin und des Herzogs von Parma. Faust erscheint und beschließt, die Braut zu verführen. Die Herzogin ist fasziniert vom Fremdling und läßt sich auf sein Werben ein.

2. Bild:

Faust löst in Gesellschaft unfreiwillig einen Religionsstreit aus, indem er seine Ansichten kundtut. Nach seinen Amouren befragt, schildert er die Herzogin als die Schönste von allen, "die ihn je geliebt" haben. Mephistopheles erscheint und berichtet von Begräbnis der Herzogin und übergibt Faust deren totes Kind. Niedergeschmettert, versucht Mephisto erfolglos, Faust mit dem Bild der schönen Helena zu erheitern. Außerdem erscheinen die Studenten aus Krakau und fordern ihr Buch zurück, das Faust aber vernichtet hat. Sie prophezeien ihm, er werde noch vor Mitternacht sterben.

3. Bild:

Nachts. Faust ringt in seiner Todesstunde mit den Phantomen seiner Schuld. Die Herzogin erscheint ihm als Bettlerin und übergibt ihm das tote Kind "zum dritten Male", der Bruder Gretchens erscheint und verflucht ihn. Faust versucht zu beten, doch stammelnd findet er keine Worte. Schließlich findet ihn der Nachtwächter tot und namenlos auf der Straße.

Epilog:

Zum Schluss tritt der Dichter wieder vor den Vorhang und beschwört die "Moral" der Handlung.

Personen:

Doktor Faust (Bariton)
Wagner (Bariton)
Mephistopheles, als schwarz gekleideter Mann, Mönch, Herold, Hofkaplan, Kurier, Nachtwächter (Tenor)
Der Herzog von Parma (Tenor)
Die Herzogin von Parma (Sopran)
Der Zeremonienmeister (Bass)
Des Mädchens Bruder, Soldat (Bariton)
Ein Leutnant (Tenor)
Drei Studenten aus Krakau (1 Tenor, 2 Bässe)
Theologe (Bass)
Jurist (Bass)
Naturgelehrter (Bariton)
Sechs Studenten aus Wittenberg (4 Tenöre, 2 Bässe)
Fünf Geisterstimmen, Drei Frauenstimmen, Erscheinungen, Kirchgänger, Soldaten, Hofleute, Jäger, katholische und lutherische Studenten, Landleute