"Don Carlo" im Konzertsaal

1867 in Paris uraufgeführt

Libretto: Josephe Méry und Camille du Locle

Don Carlo - Amsterdam 2004

Auf dem Gipfel seines Ruhms wandte sich Verdi je drei Mal den Klassikern des Dramas zu: Shakespeare mit "Macbeth", "Otello" und "Falstaff" und gleichzeitig Friedrich Schiller  mit "I Masnadieri", "Luisa Miller" und "Don Carlos". Verdi lebte in einer politisch bewegten Zeit. Dass seine Wahl auf die aufklärerischen Dramen von Schiller fiel, war sicher kein Zufall. Auch Don Carlo, wie die später revidierte, vier-aktige italienische Fassung heißt, ist da keine Ausnahme. Der Titelheld, Don Carlo, Infant von Spanien, verkörpert ein neues Denken und Empfinden, das sich gegen die höfische Strenge seines Vaters Philipp und das konfessionell legitimierte Machtkalkül des Großinquisitors durchsetzen will. Freiheit im doppelten Sinne, die eigene und die des Volkes und der Konflikt zwischen echter Liebe und Heirat aus Staatsräson sind die großen Themen dieser grand opéra.

 

Handlung:

Frankreich (Akt I) und Spanien um 1560

Akt I:

Als Teil einer Jagdgesellschaft erlebt Prinzessin Elisabeth von Frankreich die Verarmung ihres Volkes durch den Krieg mit Spanien. Daraufhin stimmt sie der Forderung Spaniens zu, sich mit dem Thronfolger Don Carlos zu vermählen, um den Krieg zu beenden. Als sie Don Carlos als vermeintlichen Gesandten seiner selbst kennenlernt, verlieben sich die beiden auf der Stelle. Doch das Glück währt nicht lange. Der spanische König Philipp, Carlos' Vater, beansprucht nun selbst die Hand der Prinzessin als Gegenleistung für die Beendigung des Krieges. Auf Bitten des Volks stimmt Elisabeth zu. Carlos ist verzweifelt.

Akt II, 1. Bild:

In einem spanischen Kloster, auf dem Grab Karls V., beklagt Carlos die Heirat zwischen seinem Vater und seiner Geliebten, die nun seine Stiefmutter geworden ist. Sein Freund Rodrigues kommt dazu, berichtet Carlos von der Unterdrückung des Volkes in Flandern und fordert ihn auf, sich von seinem Liebesleid durch Unterstützung der Freiheitskämpfer in Flandern abzulenken.

Akt II, 2. Bild:

Im Garten des Klosters vergnügen sich die Hofdamen, darunter auch Prinzessin Eboli, die in Don Carlos verliebt ist. Dieser bittet aber in einer Geheimbotschaft seine Stiefmutter Elisabeth um ein Gespräch, was diese ihm gewährt. Die Begegnung zwischen den beiden wird immer stürmischer, weil es Carlos nicht gelingt, seine wahren Gefühle zu Elisabeth zu unterdrücken. Schließlich stößt sie ihn von sich mit dem Hinweis, dass er, um sie zu besitzen, erst seinen Vater töten müsse. Das Treffen hat ein politisches Nachspiel, weil Philipp seine Frau alleine vorfindet. Er reagiert darauf, in dem er ihre verantwortliche Hofdame und beste Freundin zurück nach Frankreich verbannt. Nach dieser Aufruhr berichtet Rodrigues Phililpp aus Flandern. Phillipp ist von ihm und seiner Schilderung beeindruckt, entscheidet sich aber letztlich für eine Regierung der harten Hand, die für Ordnung sorgen soll, was gar nicht im Sinne Rodrigues' ist.

Akt III, 1. Bild:

Während Philipps' Krönungsfeierlichkeiten tauschen Elisabeth und Eboli die Masken, um dem Trubel zu entkommen. Als Carlos der vermeintlichen Elisabeth seine Liebe gesteht, erkennt die angesprochene Eboli sofort die Tragweite der Situation und will Carlos aus Eifersucht verraten. 

Akt III, 2. Bild:

Auf dem Höhepunkt des großen Autodafé sollen angebliche Ketzer hingerichtet werden. Sechs flandrische Gesandte kommen dazu und Bitten für ihr Land. Obwohl Elisabeth, Rodrigues und Carlos sie unterstützen, wird ihre Bitte abgewiesen. Als Phililpp erneut Carlos' Wunsch zurückweist, in Flandern kämpfen zu dürfen, zieht dieser das Schwert gegen seinen Vater. Rodrigues entspannt die Lage und nimmt Carlos das Schwert ab. Carlos wird verhaftet.

Akt IV, 1. Bild:

In seinem Palast erhält Philipp den Besuch des Großinquisitors, der einzigen Macht, die auch er fürchten muss. Der Inquisitor rät ihm, Rodrigues der Inquisition zu überantworten, weil er seine Freiheitsideen für verwerflich hält. Philipp, der Rodrigues schätzt, wagt nicht zu widersprechen.

Danach konfrontiert Philipp seine Frau mit dem Bild von Don Carols aus einer Schatulle, die sie als gestohlen angab. Er bezichtigt sie der Untreue und verflucht sie. Rodrigues und Eboli kommen hinzu. Eboli sieht, was sie angerichtet hat, gesteht ihre Liebe zu Carlos und bekennt sich zu ihrem Verrat. Durch Elisabeth vom Hof verbannt, sieht sie ihre letzte Aufgabe darin, Don Carlos aus dem Gefängins zu retten.

Akt IV, 2. Bild:

Rodrigues sucht Don Carlos im Gefängnis auf, um sich von ihm zu verabschieden. Er plant seine Flucht, weil geheime Papiere seine wahre Gesinnung verraten haben. Aus dem Hinterhalt fällt ein Schuss und Rodrigues stirbt vor den Augen seines Freundes. Sterbend verrät er ihm, dass Elisabeth ihn in einem Kloster erwartet. Ein von Eboli initiierter Volksaufstand zur Befreiung von Don Carlos wird niedergeschlagen.

Akt V:

Elisabeth und Carlos treffen sich am Grab Karls V. Carlos verabschiedet sich ein letztes Mal von seiner Geliebten, um in den flandrischen Freiheitskampf zu ziehen. die beiden werden von Philipp und dem Großinquisitor entdeckt. Bevor Carlos verhaftet werden kann, wird er von einem Mönch ins Dunkel der Kreuzgänge gezogen...

Personen:

König Philipp II. (Bass)
Don Carlos, Infant von Spanien, sein Sohn (Tenor)
Rodrigues (Rodrigo), Marquese von Posa, später Herzog von Posa, Don Carlos' Freund (Bariton)
Elisabeth von Valois, Tochter des Königs von Frankreich, später Königin von Spanien (Sopran)
Prinzessin Eboli, Hofdame Elisabeths (Mezzosopran)
Der Großinquisitor (Bass)
Ein Mönch, früher Karl V. (Bass)
Der Graf von Lerma (Tenor)
Thibault, Page (Sopran)
Stimme von oben (Sopran)
Sechs Gesandte aus Flandern (Bässe)
Chor (Hofstaat, Pagen, Wachen, Mönche, Volk)