"Ercole Amante" im Konzertsaal

1662 uraufgeführt

Libretto: Francesco Buti (nach Mythen des antiken Griechenlands)

Ercole Amante - Het Musiektheater Amsterdam 2009

Cardinal Mazarin, der seinem Mentor Cardinal Richelieu 1642 als regierender Minister Frankreichs nachfolgte und diese Funktion bis zu seinem Tod 1661 innehatte, gab "Ercole Amante" (zu dt. "Der verliebte Herkules") in Auftrag. Das Werk sollte zu den Hochzeitsfeierlichkeiten seines Patensohnes und Dienstherren Ludwig XIV. und Maria Theresia von Österreich - einem Musterbeispiel für politische Heirat - im Jahre 1660 aufgeführt werden. Aufgrund des bis dahin nie dagewesenen Aufwandes kam es immer wieder zu Verzögerungen, der Bau des mit vielen technischen Finessen ausgestatteten neuen Theaters in den Pariser Tuilerien zog sich. Jean-Baptiste Lully - als Komponist und Tänzer am Pariser Hofe in seiner Ehre gekränkt, nicht allein für die musikalische Ehrerbietung für Ludwig XIV. verantwortlich zu sein - intrigierte zusätzlich und so wurde nichts aus dem geplanten Premierentermin. Cardinal Mazarin erlebte die erste Vorstellung, die mit den Balletten Lullys ganze sechs Stunden dauerte, nicht mehr und auch sonst war der Erfolg bescheiden. Francesco Cavalli kehrte enttäuscht in seine venezianische Heimat zurück.

 

Handlung:

Prolog:

Mit dem gebotenen barocken Getöse wird der Sonnenkönig Ludwig XIV., der Hof und die europäischen Herrscherhäuser gepriesen. Der Olymp und seine Gottheiten werden bebildert und die Ebenbürtigkeit von Ludwig XIV. unterstrichen.

Akt I:

Der in die Jahre gekommene einstige Held Ercole (Herkules) stellt der jungen Schönheit Iole (Jole) nach. Sie will von dem gealterten Lüstling aber nichts wissen. Venere (Venus) möchte ihn unterstützen, was ihrer ewigen Konkurrentin Giunone (Juno) ein Dorn im Auge ist. Jole liebt ausserdem Illo (Hyllo), den Sohn von Herkules und seiner treuen Gattin Deianira (Dejanira) - was die Sache noch brisanter macht.

Akt II:

Der Page Licco berichtet: König Eutiro (Eutyro) hatte einst Herkules die Hand seiner Tochter Jole versprochen. Aufgrund mangelnder Rücksprache erfährt er zu spät, dass sie aber Hyllo begehrt und zieht sein Versprechen zurück. Herkules ist wenig begeistert und beendet, ganz Held, Eutyros Leben und raubt Jole. Herkules' wenig begeisterte Gattin Dejanira bittet Juno um Unterstützung.

Akt III:

Cupido (Amor), ein Sohn der Venus, bringt auf Bitten seiner Mutter einen Pfeil ins Ziel, Jole. Davon benebelt empfindet sie nun doch etwas für Herkules und ist zwischen Vater und Sohn hin- und hergerissen. Der bestürzte Hyllo will sich das Leben nehmen, bevor sein Vater es für ihn beendet. Da schreitet Juno ein. Herkules wird mittels Pülverchen eingeschläfert und Jole soll ihn erdolchen. Bei gezücktem Dolch schreitet Hyllo ein, um den Vater zu retten, dieser erwacht durch den Lärm und tobt. Ihm ist klar: Seine ruchlose Gattin Dejanira hat den gemeinsamen Sohn aus Eifersucht aufgehetzt. Mit Verhandlungsgeschick und Aussicht auf süße Belohnung kann Jole den Senior beruhigen und zu einem Kompromiss bewegen. Dejanira wird "nur" aus dem Hause gejagt und der Sohnemann weggesperrt.

Akt IV:

Hyllo leidet ungemein an der Situation und stürzt sich in die Brandung. Neptun wirft aber auf Junos Betreiben ein Auge auf ihn. Jole bekommt am Grab ihres Vater von dessen Geist Mut zugesprochen und Dejanira versucht unterdessen, mit der Hilfe Liccos, Herkules zurückzugewinnen. Ein besonderes Hemd, ein Geschenk des Zentauren Nessus, soll dies ermöglichen. Herkules soll es bei seiner Hochzeit mit Jole tragen.

Akt V:

Der Geist Eutyros', Joles gemordetem Vater, versammelt im Totenreich alle einstigen Feinde von Herkules und Rache liegt in der Luft. Der ergraute Held legt unterdessen bei den Vorbereitungen zur Hochzeit das besagte Hemd an und - so kurz vor seinem Ziel - verbrennt und stirbt qualvoll. Juno verkündet aber, dass Herkules im Jenseits gut versorgt sei und in Ehe mit Bellezza, der Schönheit persönlich, stünde. Der Verbindung der jungen Liebenden Hyllo und Jole steht eine rosige Zukunft bevor.

Personen:

Ercole (Bass)
Iole (Sopran)
Giunone (Sopran)
Illo (Tenor)
Deianira (Sopran)
Licco (Tenor)
Nettuno / Tevere / Ombra di Eutiro (Bass)
La Bellezza / Venere (Sopran)
Cinzia / Pasitea / Ombra di Clerica (Sopran)
Mercurio / Ombra di Laomedonte (Tenor)
Paggio / Ombra di Bussiride (Countertenor)