"Hoffmanns Erzählungen" im Konzertsaal

uraufgeführt 1881, Opéra Comique Paris

Libretto: Jules Barbier

Hoffmanns Erzählungen - Palacio Euskalduna de Bilbao 2006

Die auf den Erzählungen von E.T.A. Hoffmann basierende, phantastische Oper "Hoffmanns Erzählungen" ist das Opus magnum von Jacques Offenbach und gleichzeitig in mehr als einer Hinsicht Schicksalsdrama: Zum einen ist es das Drama des Dichters, der ohne Alkohol nicht schreiben und ohne die Liebe nicht leben kann. Am Schluss haben sich aus den verschiedensten Gründen alle Hoffnungen auf die Erfüllung seiner Liebessehnsüchte zerschlagen, es bleibt ihm nur die Sehnsucht (Muse) selbst. Im Gegensatz zu den literarischen Vorlagen, die unabhängige Geschichten sind, werden die Akte von "Hoffmanns Erzählungen" durch die Metamorphose der immer gleichen Darsteller auf geniale Weise verbunden.

Das Werk wurde aber auch für Offenbach selbst zum Schicksalsdrama, denn er konnte sein von der Anlage her größtes Werk nicht mehr selbst vollenden. Er starb in der Nacht zum 5. Oktober 1880, nachdem er vier der fünf Akte handschriftlich skizziert (Singstimme und Klavierbegleitung) hatte. Offenbachs Werk glänzt musikalisch durch einige der bekanntesten Melodien der klassischen Musik überhaupt: Vor allem die Barcarole fehlt wirklich in kaum einem Klassik-Sampler.

Die Aufführungen von "Hoffmanns Erzählungen" sollen ihren Theatern kein Glück gebracht haben: Sowohl die Pariser Opéra comique (französische Uraufführung) als auch das Ringtheater in Wien (deutsche Uraufführung) wurden während Aufführungen des Stücks durch Brände verwüstet. Das Stück galt danach als Unglücksbringer und wurde in Deutschland in der erste Hälfte des 20. Jahrhunderts - nicht nur, aber auch aufgrund nationalsozialistischer Zensur - kaum aufgeführt. Mittlerweile ist das Werk wieder äußerst beliebt. Alleine 2007 gab es in Deutschland mehr als zehn verschiedene Produktionen.

 

Handlung:

Akt I (Prolog):

In der Weinstube Lutter & Wegners: Hoffmann zecht mit Studenten. Das Gespräch dreht sich um Hoffmanns zahlreiche unglückliche Amouren und die augenblickliche Liebe zur launischen Sängerin Stella, die im Theater gerade die Anna im "Don Giovanni" gibt. Schließlich drängen die Studenten Hoffmann dazu, das (berühmte) Lied vom Zwerg Klein-Zack zu singen. Währenddessen fängt Hoffmanns Widersacher, der dämonische Stadtrat Lindorf, einen Liebesbrief Stellas an Hoffmann ab, der auch den Schlüssel zu ihrer Garderobe enthält.

Akt II (Olympia):

Der Physiker Spalanzani hat die bezaubernde mechanische Puppe Olympia geschaffen, für die er beim mysteriösen Coppelius "lebendige" Augen erwirbt, die er kaum bezahlen kann und mit einem ungedeckten Wechsel begleicht. Zusätzlich verkauft Coppelius dem Physiker eine Brille, die ihrem Träger eine ideale Welt vorgaukelt. Als Hoffmann alias Spalanzani Olympia durch diese Brille betrachtet, ist es um ihn geschehen. Keine noch so absurde Schwäche der Puppe hindert ihn daran, sich hoffnungslos zu verlieben. Nach einer großen Ballszene kehrt der über den geplatzten Wechsel wütende Coppelius zurück und zerstört Olympia vor den Augen Hoffmanns, der erschüttert davoneilt.

Akt III (Antonia):

Hoffmann liebt die schöne Antonia, deren Mutter durch eine rätselhafte Krankheit gestorben ist, die durch das Singen ausgelöst wurde. Ihr Vater Crespel sorgt sich, dass Antonia das gleiche Schicksal widerfahren könnte. Hoffmann zuliebe will sie auf eine Karriere verzichten. Doch der diabolische Doktor Mirakel, der schon Antonias Mutter in den Tod gepflegt hatte, versetzt Antonia in eine Trance, in deren Verlauf ihr die Mutter aus dem Jenseits erscheint und sie zum Singen auffordert. Antonia folgt der Aufforderung und ist todgeweiht. Auch hier flieht Hoffmann verzweifelt.

Akt IV (Giulietta):

Ein Palazzo in Venedig: Nach Gesängen auf die Liebe (Barcarole) und den Wein (Hoffmann) sowie einer Eifersuchtsszene (Schlemihl) um die schöne Kurtisane Giulietta vergnügen sich die Gäste beim Kartenspiel Pharo. Mit einem Diamanten, dessen Funkeln Macht über Frauen verleiht, erscheint Dapertutto. Giulietta ist vom Edelstein so fasziniert, dass sie sich darauf einlässt, Dapertutto im Gegenzug für den Stein das Spiegelbild Hoffmanns zu liefern. Davor hat sie ihm bereits mit ihrer Verführungskunst den Schatten von Schlemihl verschafft. Hoffmann fordert seinen Nebenbuhler Schlemihl zum Duell und Dapertutto leiht ihm dazu die Waffe, mit der er Schlemihl tötet. Auf der Flucht trifft er Giulietta, der er in leidenschaftlicher Liebe sein Spiegelbild überlässt. Ohne sein Spiegelbild macht ihn Giulietta anschließend öffentlich zum Gespött. Wütend ersticht Hoffmann ihren Diener Pitichinaccio, den einzigen, den Giulietta jemals geliebt hat, und flieht wieder.

Akt IV:

Zurück im Wirtshaus von Lutter & Wegner: Hoffmann ist betrunken im Kreis der Studenten, die ein trauriges Lied über das Leid der Liebe anstimmen. Mittlerweile ist die Don Giovanni - Vorstellung zu Ende. Als Stella im Wirtshaus erscheint, wird sie von Hoffmann abgewiesen. Darüber jubelt nur Hoffmanns Muse ("er gehört mir"), die ihn in ihrer Transfiguration als "Niklaus" über die ganze Handlung begleitet hat. Bevor Lindorf mit Stella davonziehen kann, verspottet ihn Hoffmann in einer letzten Strophe des Lieds vom Zwerg Klein-Zack.

Personen:

Hoffmann (Tenor)
La Muse / Nicklausse (Mezzosopran)
Olympia, Giulietta, Antonia, Stella (Sopran – wird in einigen Inszenierungen von nur einer Sängerin gesungen)
Lindorf, Coppélius, Dapertutto, Dr. Miracle (Bariton – von einem Sänger zu singen)
Andrès, Cochenille, Pitichinaccio, Frantz (Tenor – von einem Sänger zu singen)
Luther (Bass)
Hermann (Bariton)
Nathanaël (Tenor)
Spalanzani (Tenor)
Crespel (Bass)
Stimme von Antonias Mutter (Mezzosopran)
Schlemihl (Bariton)
Unsichtbare Geister, Kellner, Studenten, Gäste Spalanzanis, Mädchen und Gäste bei Giulietta (Chor und Ballett)