"I Pagliacci" im Konzertsaal

1892 uraufgeführt

Libretto: Ruggero Leoncavallo (Musik und Buch)

I Pagliacci - Teatro alla Scala Mailand 1981

Wie Castor und Pollux sind die beiden Einakter "Cavalleria Rusticana" und "I Pagliacci" zum Sternenzwilling am Himmel der Versimo-Oper geworden. Verismo steht für die äußerste Leidenschaft, Sinnlichkeit und Authentizität, zu der Musiktheater im Stande ist. Damit ist die Verismo-Oper der Gegenentwurf zur Opera seria oder zur Grand Opéra: Hier geht es nicht um Könige, Prinzessinnen oder Götter, sondern um das echte, ungeschminkte Leben von Arbeitern, Bauern, Ganoven und Clowns, mit kurzen Momenten der Ekstase, tiefer Verzweiflung und gewaltsamen Bahnen, die sich die Emotionen brechen. Die großen Verismo-Opern könnte man aus heutiger Sicht durchaus als Sozialdramen bezeichnen.

 

Handlung:

"I Pagliacci" ist eine tragikkomische Groteske, die das burleske Spiel der commedia del'arte mit tödlichem Ernst der Realität vermischt. Die Geschichte spielt in den Reihen einer ärmlichen Truppe von Spielleuten, die über die Dörfer tingeln. Als Spiel im Spiel ist Pagliacci auch ein schillerndes Vexierstück der frühen Theaterreflexion, indem es die Grenzen von Spiel und Realität verwischt.

Akt I:

Canio zieht mit seiner Schauspieltruppe in ein Dorf ein, um abends im örtlichen Wirtshaus aufzutreten. Als sein Mitspieler Tonio sich entschuldigt, er müsse nach dem Esel sehen, wird Canio zum Gespött der Leute, weil sie ahnen, dass er sich nur mit Nedda, der schönen Frau von Canio vergnügen will. Darüber gerät Canio in Rage.

Nedda derweil ist alles andere als unschuldig. In einer Arie besingt sie neckisch die "Freiheit der Vögel". Als sich Tonio nähert, verspottet sie ihn und vertreibt ihn mit einer Peitsche. Daraufhin stellt sich ihr Geliebter Silvio  ein, der sie zur Flucht überreden will. Tonio belauscht die beiden und verrät sie an Canio. Als der, wild vor Eifersucht, mit dem Messer hereinstürzt, kann Silvio gerade noch fliehen. Canio bedroht daraufhin seine Frau und fordert den Namen des Liebhabers. Nur der dazwischen eilende Beppo kann Schlimmeres verhindern. Während sich alle auf die abendliche Vorstellung vorbereiten, singt Canio die verzeifelte Arie "Vesti La Giubba".

Akt II:

Im Spiel auf der Bühne wiederholt sich die Realität des Nachmittags. Als Nedda den Nebenbuhler Harlekin mit den selben Worten verabschiedet, wie ihren wirklichen Liebhaber Silvio, der heimlich im Publikum sitzt, rastet Canio vollends aus und fordert von Nedda erneut den Namen des ihres Liebhabers. Die Zuschauer sind ergriffen von der Intensität des "Spiels". Erst als Canio das Messer zückt und in den Rücken seiner Frau rammt, erkennt das erschütterte Publikum den Ernst der Lage. Nedda stirbt mit dem Namen ihres Geliebten auf den Lippen. Canio, nun endlich im Bilde, stürzt auf Silvio und begeht den Doppelmord. An dieser Stelle wird das Spiel abgebrochen und das verstörte Publikum mit den Worten "La commedia e finita" ("die Komödie ist aus") nach Hause geschickt.

Personen:

Nedda, Komödiantin, Frau des Canio – in der Komödie Colombina (Sopran)
Canio, Haupt einer Komödiantentruppe – in der Komödie Bajazzo (Tenor)
Tonio, der Tölpel, Komödiant – in der Komödie Taddeo (Bariton)
Beppo, Komödiant – in der Komödie Harlekin (Tenor)
Silvio, ein junger Bauer (Bariton)
Landleute, Gassenbuben (Chor)