"Il Ritorno d'Ulisse in patria" im Konzertsaal

1641 in Venedig uraufgeführt

Libretto: Giacomo Badoaro

Il ritorno d'Ulisse - Het Muziektheater Amsterdam 1998

Zusammen mit der "Poppea" zählt "Il ritorno d'Ulisse" zu den frühesten Opernwerken, die für die Karnevalssaison eines öffentlichen, quasi-bürgerlichen Theaters, und damit eben nicht für einen adeligen Mäzen komponiert wurden. Claudio Monteveris zweitletztes überliefertes Meisterwerk ist auch, wie im Frühbarock üblich, nur in Gesangsstimmen und Generalbassschlüssel notiert. In der damals lebendigen Schule des Generalbassspiels blieb es den Orchester- musikern und dem Cembalo überlassen, passende Akkorde zur Basslinie zu improvisieren und diese nach Gusto auszuschmücken. Das Libretto von Giacomo Badoaro ist an Homers Odyssee angelehnt und folgt damit, wie auch schon bei Monteverdis früheren Werk "Orfeo" einer aus der Renaissance stammenden Tradition der Wiederbelebung von klassisch griechischen und römischen Sagengestalten und Mythen. In der Figur des Odysseus (römisch: Ulisses) preist die dreiaktige Handlung die Tugend und Beständigkeit, die letztlich über Verrat und Täuschung triumphiert.

 

Prolog:

Die personifizierte "menschliche Schwäche" (L'umana fragilità) lamentiert darüber, dass sie den Gottheiten der vergänglichen Zeit (Tempo), dem launischen Schicksal (Fortuna) und den Blendungen der Liebe (Amor) ausgeliefert ist.

Akt I:

Im wunderschönen Lamento 'Di misera regina' beklagt Penelope die bald zwanzigjährige Abwesenheit von ihrem Gatten Odysseus. Während Penelope ihr Leid klagt, scharen sich schon Freier, darunter Melanto und Eurymachus vor ihrer Tür. In einer lustigen Canzone feiern sie die Verliebtheit und setzen darauf, das Penelope die Hoffnung auf die Rückkehr von Odysseus aufgibt und einen von ihnen beiden ehelicht.

Odysseus gelingt gegen den Willen Poseidons und mit der Hilfe der Phäaken, die ihren Ungehorsam mit dem Leben bezahlen, die Rückkehr an die heimatliche Küste von Ithaka. Als Hirtenjunge verkleidet erscheint ihm Athene und rät Odysseus, in der Gestalt eines alten Bettlers an seinen Palast zurückzukehren, wo seine aufrichtige und ehrhafte Penelope weiterhin von Freiern belagert wird. Während sich Odysseus nur seinem getreuen Diener Eumaios zu erkennen gibt, begibt sich Athene auf die Suche nach Telemachos, Odysseus Sohn, der ihm helfen soll, seinen Thron zurückzuerlangen.

Akt II:

Athene bringt Telemachos aus Sparta zurück nach Ithaka, wo er von Eumaios  begrüßt wird. Eumaios führt Vater und Sohn zusammen. Telemachos erkennt seinen Vater wieder und ist überglücklich. Im Palast beklagen sich weiterhin die Freier, allen voran Melantho, über die aus Sicht der Freier starrsinnige Haltung Penelopes, die nach wie vor alle Freier standhaft abweist. Da erscheint Eumaios und kündigt die Ankunft Telemachos' sowie die bevorstehende Heimkehr von Odysseus an. Die Freier sind darüber aufgebracht und planen, Telemachos zu töten, was letzlich nur durch ein schlechtes Omen - ein Adler kreist tief über den Köpfen der Freier - verhindert wird.

Um Odysseus die heldenhafte Rückkehr auf seinen Thron zu ermöglichen, flüstert Athene Penelope die Idee ein, die Freier mögen sich in einem Bogenschiessen um ihre Gunst bewerben. Als Odysseus - immer noch in Bettlerkleidern - am Palast erscheint, mokiert sich der selbstgefällige Iro über den Gedanken, gegen ihn anzutreten, wird aber wie auch alle anderen Freier von Odysseus im Kampf besiegt.

Akt III:

Als Eumaios nun Penelope die wahre Identität des Bettlers schildert ist diese zunächst skeptisch. Selbst ihr Sohn Telemachos kann sie nicht überzeugen. Athene ihrerseits überzeugt Juno, sich bei Zeus dafür zu verwenden, Poseidon zur Rücknahme seines Fluchs gegen Odysseus zu bewegen. Poseidon gibt sich großzügig und beendet damit die Irrfahrt des Odysseus, der sich nun in seiner wahren Gestalt vor Penelope zeigen kann. Die immer noch zweifelnde Penelope stellt Odysseus mit der Frage nach ihrem Hochzeitsgewand auf die Probe. Erst die richtige Antwort kann sie vollends überzeugen und die beiden können ihr wieder gewonnenes Glück feiern.

Personen:

L'umana Fragilità (Mezzo)    
Tempo, Gott der Zeit (Bass)
Fortuna, Göttin de Schicksals (Sopran)    
Amore, Cupido  (Sopran)
Penelope, Frau von Odysseus    (Mezzo)
Ericlea, Penelopes Dienerin (Mezzo)
Melanto , Freier der Penelope (Sopran)
Eurimachus, Diener der Freier (Tenor)
Poseidon (Bass)
Zeus (Tenor)
Odysseus, Ulisses, König von Ithaka (Tenor)
Athene, die Göttin Minerva (Sopran)
Eumaios, ein Hirte (Tenor)
Iro, ein Parasit (Tenor)
Telemachus, Sohn des Odaysseus (Tenor)
Antinoos, Freier (Bass)     
Pisandro, Freier (Tenor)     
Anfimonos, Freier (Alto oder Countertenor)
Coro Faeci, Chor der Phäaker
Coro in Cielo, himmlischer Chor
Coro marittimo, Chor der Sirenen