"Khovanshchina" im Konzertsaal

1886 uraufgeführt

Libretto: Wladimir Stassow

Khovanshchina - Gran Teatre del Liceu Barcelona 2007

Als Modest Mussorgsky im Jahre 1881 starb, hinterließ er diese politische Oper unvollendet. Nikolay Rimski-Korsakow stellte das Werk fertig und "Khovanshchina" wurde in einer von der Zensur stark gekürzten Fassung von Laien in Sankt Petersburg privat uraufgeführt. Igor Strawinski schrieb um 1913 ein neues Finale, Maurice Ravel beteiligte sich auch und die Fassung wurde mit Rimski-Korsakows gemischt. Letztendlich nahm sich auch Dimitri Schostakowitsch des Werkes an und schuf eine wieder mehr dem ursprünglichen Schöpfer geschuldete Version auf Basis der Gesangsstimme in Mussorgskys Partitur. "Khovanshchina" wird heute meistens in dieser Fassung aufgeführt.

Genauso wie "Boris Godunow" handelt "Khovanshchina" von einer Episode der russischen Geschichte - 17. Jahrhundert, Religionszwist und Regierungskrise. Die "Altgläubigen", Raskolniki genannt, akzeptierten eine Religionsreform nicht und wurden von der offiziellen Kirche ausgeschlossen und verfolgt. Nach dem Ableben des Zaren Fjodor III. entbrannte unter den Halbgeschwister Sofia, Iwan und Peter ein Ringen um die alleinige Nachfolge, in dem die Palastgarde - die Strelitzen - eine Schlüsselrolle spielten. Die Strelitzen bestanden überwiegend aus "Altgläubigen".

 

Handlung:

Akt I:

Der Bojar Schaklowity plant die Denunziation des Fürsten Iwan Chowanski - dem Anführer der Strelitzen - der einen Putsch gegen Zar Peter vorbereitet. Sein Sohn Andrei Chowanski versucht Emma energisch näherzukommen. Diese wird aber von Marfa, einer Altgläubigen, beschützt. Marfa ist auch die ehemalige - und verlassene - Geliebte Andreis. Der alte Fürst Chowanski hat auch ein Auge auf Emma geworfen und will sie von seinen Strelitzen festnehmen lassen. Andrei schreitet ein und Dossifei, der geistige Anführer der Altgläubigen, versucht, zwischen Vater und Sohn zu vermitteln. Marfa soll sich in seinem Auftrag um Emma kümmern.

Akt II:

Fürst Wassili Golizyn, Oberbefehlshaber der Armee, ist auch Liebhaber der Zwarewna Sofia - der Halbschwester Zar Peters. Gemeinsam mit Fürst Chowanski und Dossifei bereitet man die Absetzung Peters I. vor. Marfa prophezeit Golizyn den Misserfolg. Der Fürst will sie dafür ermorden lassen, der Anschlag wird aber vereitelt und Marfa kehrt wieder, gefolgt vom Bojaren Schaklowity, der verkündet, dass die Verschwörung aufgedeckt sei und vom Zaren Peter I. als "Die Sache Khovanshchi" - auf russisch "Khovanshchina" - bezeichnet werde. Untersuchungen werden eingeleitet.

Akt III:

Für ihre anhaltende Liebe zu Andrei wird Marfa von einigen strengen Altgläubigen attakiert, doch Dossifei verteidigt sie. Der Bojar Schaklowity sieht die ihm so wichtige Rettung Russlands in einem starken Alleinherrscher. Die Petrowzen, Zar Peters Leibgarte, rückt an, doch Fürst Chowanski befiehlt seinen Strelitzen, keinen Widerstand zu leisten und sich in ihren Häusern zu verbarrikadieren.

Akt IV:

Fürst Iwan Chowanski verschanzt sich auch und fürchtet den nahen Tod. Zu seiner großen Überraschung erhält er von Schaklowity die Einladung, mit der Zarewna Sofia zur Beratung zusammenzukommen - in Wahrheit folgt seine Ermordung.

Golizyn wird verbannt und Marfa berichtet Dossifei, dass die Ermordung der Altgläubigen bevorsteht. Dieser ordnet den gemeinsamen Selbstmord an. Die Hinrichtung der Strelitzen steht bevor, doch im letzten Moment werden sie durch den Zaren Peter I. begnadigt.

Akt V:

Ohne Perspektive und in der Hoffnung auf eine bessere andere Welt verbrennen sich Dossifei, Marja, Andrei und weitere Altgläubige.

Personen:

Fürst Iwan Chowanski, Anführer der Strelitzen, Bass
Fürst Andrei Chowanski, sein Sohn, Tenor
Fürst Wassili Golizyn, Tenor
Schaklowity, Bojar, Bariton
Dossifei, Führer der Altgläubigen, Bass
Marfa, Altgläubige, Alt
Emma, ein Mädchen aus dem „Deutschen Stadtviertel“, Sopran
Strelitzen
Altgläubige