"King Roger" im Konzertsaal

1926 in Warschau uraufgeführt

Libretto: Karol Szymanowski (Komponist) und Jarosław Iwaszkiewicz

King Roger - Bregenzer Festspiele 2009

King Roger (Król Roger) ist eines  der von der Spielplangestaltung der großen Opernhäuser erst kürzlich wiederentdeckten Meisterwerke des polnischen Komponisten Karol Szymanowski. Seine mächtige und doch präzise Tonsprache erinnert teilweise an die schwelgende Romantik von Richard Strauss, den Impressionismus Ravels, dann aber auch wieder an die atavistische Kraft Strawinskys und bewegt sich stets an der Grenze der Tonalität, ohne diese jedoch je zu überschreiten. König Roger II. von Sizilien, die Titelfigur, war eine der schillerndste Herrscherfiguren des Mittelalters. Gebildet, sprachgewandt und mit außerordentlichem strategischen Verstand gesegnet, machte der Normanne Sizilien mit einer Mischung aus Eroberungs-, Handels- und Manufaktur-Politik zum Machtzentrum des Mittelmeers und sich selbst zum reichsten Mann der damaligen Welt. Für Szymanowski's Oper bildet die sagenhafte historische Figur Rogers die Folie für ein schillernd-oszillierendes, spannungsreiches Ringen zwischen Ideen- und Gefühlswelten. In der geordneten Welt von Rogers Reich erscheint ein simpler Hirte, der einen neuen Kult predigt, verführerisch, sinnlich, zeitvergessen. Niemand, nicht einmal die Königin, scheint sich der Verführungskraft des Hirten entziehen zu können...

 

Handlung:

Erster Akt (der "Byzantinische"):

Der Hirte wird dem König und seinem Hofstaat während der Messe in der Kathedrale von Palermo vorgestellt. Der Erzbischof ereifert sich und fordert den Hirten als Häretiker zu bestrafen. Roxana, die Frau von Roger, überzeugt ihren Mann, die Strafe auszusetzen und das Leben des Hirten zu verschonen. Anstatt dessen befiehlt er dem Hirten, nachts im Palast zu erscheinen, um sich zu erklären und sich danach dem Urteil des Königs zu beugen.

Zweiter Akt (der "Orientalische"):

Der Hirte erscheint wie befohlen an den Toren des Palastes. Roxana läßt ein verführerisches Lied erklingen. Sie läßt keinen Zweifel daran aufkommen, dass ihr Gesang von der Aura des messianischen Gasts beflügelt ist. Roger ist außer sich, weil er spürt, wie ihm die Macht über seine Frau entgleitet. Als der Hirte hereingeführt wird, legt er in einer flammenden Rede seinen Glauben dar. Der gesamte königliche Hof ist tief bewegt und verfällt wie in Trance einem ekstatischen Tanz , den der Hirte anführt. Roger versucht, den Hirten in Ketten zu werfen, doch der kann sich leicht befreien. Schließlich verläßt er den Palast und beinahe alle Anwesenden folgen ihm. Edrisi, Rogers arabischer Ratgeber, und der König selbst bleiben zunächst alleine zurück. Doch schon bald entschließen sie sich, dem Hirten ebenfalls zu folgen.

Dritter Akt (der "Griechisch-Römische"):

In einem alten griechischen Amphitheater treffen Roger und Edrisi auf Roxana, die ihrem Ehemann darlegt, dass nur der Hirte ihn von seiner Angst und Eifersucht befreien könne. Die Jünger des Hirten entfachen einen großen Feuerkreis, um den sie erneut einen ekstatischen Tanz beginnen. Im Verlauf des Tanzes verwandelt sich der Hirte in den Gott Dionysos. Am Ende des Tanzes verlassen alle Jünger das Theater. Roger bleibt zurück. Das Erlebte hat ihn innerlich gewandelt. Mit einem hymnischen Gesang begrüßt er die aufgehende Sonne.

Personen:

Roger II, König von Sizilien (Bariton)
Roxana, seine Frau (Sopran)
Edrisi, ein arabischer Gelehrter (Tenor)
Der Schäfer (Tenor)
Der Erzbischof (Bass)     
Die Diakonissin    (Kontralto)     
Priester, Mönche, Nonnen, Ministranten, Höflinge, Wachen, Eunuchen, Jünger des Schäfers