"La Clemenza di Tito" im Konzertsaal

1791 im Ständetheater Prag uraufgeführt

Libretto: Pietro Metastasio und Caterino Mazzolà

La clemenza di Tito - Palais Garnier Paris 2005

Ursprünglich für die Krönung Kaiser Leopold II in Prag in Auftrag gegeben, ist Mozarts letzte Oper eine tiefgründige und menschenfreundliche Besinnung über Freundschaft, Macht und die Fähigkeit zu vergeben. Mit dieser Komposition, die wohl einige der schönsten Passagen in Mozarts gesamten Oeuvre umfasst, hat der Komponist eine Opera seria geschaffen, die sowohl durch eine edle Nüchternheit als auch eine transparente Instrumentierung überzeugt. Die "Großmut des Titus" war noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts die beliebteste Oper Mozarts. Mit dem erstarken des Bürgertums wurde dem Publikum das Genre der Opera seria, mit ihrer rigid höfischen Form und der häufig damit einhergehenden Gloriole für einen Monarchen zunehmen suspekter. Zu ihrer Zeit entsprach sie dem Geschmack. Das Libretto von Pietro Metastasio aus dem Jahr 1734 war vielgerühmt und wurde über 40 Mal vertont. Den Auftrag der Prager Oper erhielt Mozart, nachdem ihn sein berühmter Gegenspieler Salieri terminbedingt absagen musste. Die letzten Szenen komponierte Mozart noch in der Reisekutsche von Wien nach Prag.

 

Handlung:

Akt I:

Wie so häufig in der Opera seria der Rokoko-Zeit, ist die Handlung zwar in staatstragender Umgebung angesiedelt, dreht sich aber letztlich um Liebe, Eifersucht, Rache und Vergebung. Vitellia, Tochter des ehemaligen Kaisers Vitellius, hasst Titus, denn er hat sie nicht wie erwartet zur Frau erwählt. Daraufhin überredet sie Sextus, ihren Geliebten und Freund des Kaisers, an einer Verschwörung gegen den neuen Herrscher teilzunehmen. Titus entsagt derweil aus Gründen der Staatsräson seiner Liebe zu der Ausländerin Berenice, worauf Vetellia neue Hoffnung schöpft.

Titus wird als siegreicher neuer Herrscher auf dem Forum vom Volk umjubelt. Unerwarteter Weise bittet er Sextus um die Hand von dessen Schwester Servilia, dieser zuvor seinem Freund Annius versprochen hatte. Nachdem Servilia dem neuen Kaiser gesteht, dass sie Annius liebt, verzichtet Titus großmütg und gibt die Braut an ihren Geliebten zurück.

Obwohl mit sich selbst im Zweifel, begibt sich Sextus zu den Verschwörern. Als der Gesandte des Kaisers Vitellia mitteilen lässt, dass er sie zu ehelichen wünsche, ist es bereits zu spät: Der Aufstand der Verschwörer wütet in der Stadt, das Kapitol steht in Flammen und die Nachricht vom Tod des Kaisers verbreitet sich in der nächtlichen Stadt.

Akt II:

Sextus will seinem Leben verzweifelt ein Ende setzen. Da berichtet ihm sein Freund Annius, dass nicht der Kaiser selbst, sondern ein Römer mit ähnlicher Toga ermordet wurde. Während Vitellia zur Flucht rät, will sich Annius stellten. Sextus wird verhaftet und vom Senat zum Tode verurteilt. Titus ist bestürzt über den Verrat seines Freundes und lässt diesen vorführen. Um Vitellia zu schützen, bekennt sich Sextus als alleine schuldig. Titus erkennt des Edelmut seines Freundes, was ihn dazu bringt, über eine Herrschaft nachzudenken, die nur auf Tyrannei begründet ist.

Die Gnadengesuche von Annius und Servilia sind zunächst vergebens. Als die Verurteilten Verschwörer zur Hinrichtung geführt werden, wirft sich Vitellia vor die Füsse des Kaisers und gesteht, dass sie den Plan zur Verschwörung gefasst hat. Titus ist davon so bewegt, dass der die Verschwörer begnadigt. In der Schlussszene bejubelt das Volk den gütigen und großmütigen Herrscher.

Personen:

Tito Vespasiano (Titus), Herrscher von Rom, Tenor
Vitellia, Tochter des vorherigen Kaisers Vitellius, Sopran
Sesto, Freund des Titus, Liebhaber der Vitellia, Mezzosopran
Servilia, Schwester des Sesto, Liebhaberin des Annio, Sopran
Annio, Freund des Sesto, Liebhaber der Servilia, Mezzosopran
Publio, Hauptmann der Prätorianer, Bass
Chor