"La fille du régiment" im Konzertsaal

1840 in der Opéra comique, Paris uraufgeführt

Libretto: Jean-François Bayard, Jules-Henri Vernoy de Saint-Georges

Die Regimentstochter - Wiener Staatsoper 2007

Die literarischen Quellen der "Regimentstochter", dem Kabinettsstück für hohe lyrische Tenöre und Soprane schlechthin, sind nicht bekannt. Aber die komische Oper von Gaetano Donizetti steht ganz im Zeichen ihrer Zeit, der Epoche des aufkommenden Bürgertums: einfache Bürger, Bauern und Soldaten sind die neuen Helden, die Welt des Adels hingegen ist gekünstelt, verspielt und lächerlich. Schon Rossini und Mozart hatten diese Richtung mit dem "Barbier" und dem "Figaro" vorgezeichnet. Nun bricht sich die bürgerliche Revolution in der komischen Oper vollends ihre Bahn. Das Stück gehörte nach seiner Premiere lange Zeit zum Standardrepertoire der Opernhäuser. Heute wird es weniger häufig gespielt. Der Hauptgrund dafür läßt aufhorchen: Das Stück gilt als zu schwierig! Die Rollen der Marie und insbesondere die des Tonio mit sage-und-schreibe neun hohen "C's" sorgen dafür, dass nur die Mutigsten antreten. Bei uns sind es mit Nathalie Dessay und Juan Diego Florez die derzeit besten.

 

Handlung:

Akt I:

Ein Bergpass in den Tiroler Alpen. Marie ist ein Findelkind, das ein Regiment der napoleonischen Truppen vor achtzehn Jahren aufgenommen und großgezogen hat. Mittlerweile zu einer ansehnlichen Schönheit herangewachsen, dient sie als Marketenderin im Regiment und hat gelobt, nur einen Regimentssoldat zu heiraten. Nun steht das Regiment im Kampf mit tiroler Freiheitskämpfern. Mitten durch die Kampfwirren fordert die Marquise von Berkenfield freies Geleit zu ihrem Schloss. Kurz davor haben die Truppen den jungen Freiheitskämpfer Tonio festgenommen. Als Spion soll er erschossen werden, doch bald stellt sich heraus, dass er der Liebhaber von Marie ist. Die Soldaten schließen Freundschaft mit Tonio, der - ganz der Heiratsregel von Marie folgend - als Soldat dem Regiment beitritt um Marie ehelichen zu können. Doch daraus wird zunächst nichts. Überraschenderweise beansprucht die Marquise die Vormundschaft über Marie. Auf dem Schloss der Marquise soll sie fortan ein adeliges Leben führen. Widerwillig muss Marie Tonio und das Regiment verlassen.

Akt II:

Auf dem Schloss der Marquise - Einige Zeit ist vergangen. Auf dem Schloss bereitet man die Hochzeit von Marie mit dem Sohn der Gräfin von Krackentorp vor. Während einer Gesangsübung soll Marie eine manirierte Belcanto-Arie singen, verfällt aber immer wieder sehnsüchtig in die Hymne ihres Regiments.

Tonio und das Regiment haben sich verbündet, um die Hochzeit mit dem Grafen zu verhindern. Als sich herausstellt, dass Marie das uneheliche Kind der Marquise ist und die Gräfin von Krackentorp erfährt, dass ihr Sohn eine ehemalige Marketänderin heiraten soll, fliegt der ganze Plan auf. Die Hochzeit wird abgeblasen und der Weg für die Liebenden ist frei. Das Finale ist eine Hymne auf die französische Nation und ihre Truppen – womöglich auch der Grund dafür, weshalb die Oper in Frankreich häufig am Tag der Bastille, also am Nationalfeiertag und Jahrestag der Revolution aufgeführt wird.

Personen:

Die Marquise von Berkenfield (Mezzosopran)
Marie, eine vivandiere (Sopran)
Die Herzogin von Krackenthorp (Sprechrolle)
Sulpice, ein Hauptmann (Bariton)
Tonio, ein junger Bauer (Tenor)
Hortensius, Haushälter der Marquise (Bariton)
Ein Notar (Sprechrolle)
Ein Offizier (Bariton)