"La forza del destino" im Konzertsaal

uraufgeführt 1862 in Sankt Petersburg

Libretto: Francesco Maria Piave (Urfassung), Antonio Ghislanzoni (Bearbeitung)

Die Macht des Schicksals - Wiener Staatsoper 2008

Vielleicht ist es das mächtige Schicksalsmotiv, das schon in der Ouvertüre anklopft und sich wie eine raunende Stimme durch das ganze Stück hindurch forsetzt: "Macht des Schicksals" galt lange Zeit unter italienischen Sängern als verflucht. Selbst der große Luciano Pavarotti hat die Partie des Alvaro aus diesem Grund stets gemieden. Allerdings zeigt dieses Beispiel auch, welch immense emotionale Macht dieses "Leitmotiv" in Verdis Musik entfaltet. Die Schicksalsmelodie gilt der großen Liebe des ungleichen Paars Leonora und Alvaro, die schon von Anfang an unter einem ungünstigen Stern steht. Verdi komponierte die Oper auf Initiative des italienischen Sängers Enrico Tamberlick, der an der Petersburger Oper gastierte und mit der Beauftragung Verdi's einen - übrigens erfolgreichen - Versuch unternahm, die italienische Oper gegen die Phalanxen der Wagnerianer und Mussorgski-Anhänger am russischen Hof zu etablieren.

 

Handlung:

Erster Akt:

Sevilla, im Haus von Leonora's Familie - Donna Leonora ist im Begriff mit ihrem geliebten Don Alvaro, einem jungen Inka, durchzubrennen, als die beiden von ihrem Vater überrascht werden. In der darauf folgenden Auseinandersetzung lässt Alvaro im Bemühen, die Situation zu entspannen seine Pistole fallen. Es löst sich ein Schuss, der den Vater tötet. Die beiden fliehen, verlieren sich aber auf der Flucht aus den Augen.

Zweiter Akt:

Eine Kneipe im Dorf Homachuelos - Don Carlos, der Bruder von Leonora, hat geschworen, seinen Vater zu rächen und trachtet beiden Liebenden nach dem Leben. Er gibt sich als Student aus. Während des Abendessens tritt eine junge Zigeunerin auf, die den Männern aus der Hand liest und alle für den italienischen Berfreiungskrieg anwirbt. Don Carlos folgt, wie fast alle anderen dem Aufruf mit Begeisterung, weil er meint, die Spur seiner Schwester verloren zu haben. Er ahnt nicht, dass sie sich zur gleichen Zeit im selben Lokal befindet.

Ein Kloster in der Nähe - Auf der Flucht vor ihrem Bruder sucht Leonora in der Hoffnung auf Frieden Zuflucht im Kloster der Engelsmadonnna. Der Abt führt sie zu einer Eremitenhöhle, in der Leonora für den Rest ihresr Tage gelobt, ein Leben im Dienste Gottes zu führen. Der Abt ruft alle Mönche zusammen und ringt ihnen den Schwur ab, das Geheimnis von Leonora auf immer zu wahren. Jedem, der dieses Versprechen brechen sollte, soll die Rache des Himmels treffen.

Dritter Akt:

Don Carlos und Alvaro werden im folgenden Feldzug zu Waffenbrüdern, ohne einanander zu erkennen. Bei einem Überfall rettet Alvaro Don Carlos das Leben. Sie werden zu Freunden, bis Alvaro Don Carlos ein Päckchen zur Vernichtung anvertraut. Als Don Carlos es ins Feuer werfen will, fällt das Bild Leonoras heraus. Don Carlos fordert daraufhin Alvaro zum Duell, das dieser aber verweigert. Er hat von Leonora's Schicksal erfahren und begibt sich zum Kloster, um sie vor Don Carlos Rache zu schützen.

Vierter Akt:

In ihrer Klause sehnt Leonora ihren baldigen Tod herbei. Draußen tobt der Kampf zwischen Alvaro und Don Carlos, der von Alvaro tödlich getroffen wird. Als Alvaro an die Tür der Klause klopft, öffnet zu seiner Verwunderung Leonora die Tür, sieht ihren verwundeten Bruder und stürzt zu ihm. Mit seinem letzten Atemzug zückt der den Degen und ersticht Leonora. Leonora stirbt in den Armen ihres geliebten Alvaro.

Personen:

Marchese von Calatrava (Bass)
Leonora de Vargas; seine Tochter (Sopran)
Don Carlo de Vargas; sein Sohn (Bariton)
Alvaro; Inkaspross (Mestize) (Tenor)
Preziosilla; eine junge Zigeunerin (Mezzosopran)
Pater Guardiano; Franziskanermönch (Bass)
Fra Melitone; Franziskanermönch (Bariton)
Curra; Leonoras Kammerzofe (Sopran)
Ein Alkalde (Bass)
Mastro Trabuco; Maultiertreiber; später Hausierer (Tenor)
Ein Chirurg; im spanischen Heer (Tenor)
Maultiertreiber, spanische und italienische Landleute, spanische und italienische Soldaten, Ordonnanzen, italienische Rekruten, Franziskanermönche, Greise, Kinder, Bettler. Spanisches und italienisches Landvolk, Marketenderinnen, Bettlerinnen (Chor)
Wirt, Wirtin, Bediente der Schenke, Maultiertreiber, spanische und italienische Soldaten aller Waffengattungen, Trommler, Trompeter, Landvolk und Kinder, ein Seiltänzer, Hausierer