"Les Troyens" im Konzertsaal

1863 in Teilen und stark gekürzt uraufgeführt (im Pariser Théâtre Lyrique)

Libretto: Hector Berlioz (nach Vergils "Äneis")

Les Troyens - Palau de les Arts "Reina Sofía" Valencia 2009

Hector Berlioz war Literaturliebhaber und schon früh ein großer Verehrer Vergils. Er trug sich mit dem Gedanken, dessen Epos "Äneis" in einer Oper verarbeiten. Als er bei einem Besuch in Weimar der Liszt - Gefährtin Prinzessin Carolyne zu Sayn - Wittgenstein davon erzählte, nahm diese ihn deutlich in die Pflicht, das Werk anzugehen und zu vollenden. Eher bräuchte er gar nicht mehr wiederzukommen! Berlioz begann im Mai 1856 die Arbeit am Libretto und vollendete es in knapp eineinhalb Monaten. Nach vielen Korrekturen und Überarbeitungen, die sich über dreieinhalb Jahre erstreckten, sah er die Oper als vollendet an. Hector Berlioz war überzeugt, etwas Aussergewöhnliches geschaffen zu haben. Die Arbeit hatte es aufgrund ihrer monumentalen Ausmaße schwer, in den Pariser Opernbetrieb zu finden. Die große "Paris Opéra" zögerte fünf Jahre lang, bis Berlioz' Geduld am Ende war. Letztendlich brachte Léon Carvalho das Werk mit dem Titel "Les Troyens à Carthage" - mit starken Kürzungen und Eingriffen - in seinem "Théâtre Lyrique" auf die Bühne. Die Aufführung des kompletten Werkes sollte Hector Berlioz nicht mehr zu Lebzeiten gegönnt sein.

 

Handlung:

Akt I:

Die Trojaner bejubeln den vermeintlichen Abzug der feindlichen Griechen. Sie entdecken am Strand ein mächtiges hölzernes Pferd und halten es für eine Opfergabe der Feinde an die Göttin Pallas Athene. Trotz Warnungen wird das Pferd Richtung Stadt gebracht. Die Seherin Cassandra besingt den nahenden Untergang Trojas.

Akt II:

Während der Schatten des gefallenen Hector den trojanischen Helden Äneas zur Flucht nach Italien aufruft, wird das hölzerne Pferd ins Innere der Stadtmauern gebracht. Die griechischen Kämpfer, die sich im Bauch des Pferdes versteckten, liefern sich blutige Gefechte mit den Trojanern, deren Stadt fällt und in Flammen aufgeht. Die trojanischen Frauen ziehen den Flammentod der Flucht vor und die Seherin erdolcht sich - Äneas' Triumph vorhersagend.

Akt III:

Äneas erreicht Karthago, Königin Didos Reich, das vom nubischen König Iarbas bedroht wird. Verkleidet bittet Äneas um eine Audienz bei Dido und gibt sich bei dieser zu erkennen. Beeindruckt von dem stattlichen Helden, nimmt Dido das Angebot an, von ihm und seinen Mannen gegen die Feinde unterstützt zu werden.

Akt IV:

Äneas und seine Kämpfer schlagen mit den Karthagern den Feind zurück. Zwischen Dido und Äneas wächst die Zuneigung zu Liebe heran - doch Äneas' Bestimmung ist es, Italien zu erreichen.

Akt V:

Die Annehmlichkeiten Karthagos sind groß, doch der schmerzliche Abschied naht. Dido will das nicht glauben, doch Äneas muss seiner Bestimmung folgen und vollzieht den qualvollen Abschied. Dido verflucht ihn und die Trojaner. Die Karthager beten für den Tod der Abgereisten und Dido nimmt sich im Wahn mit dem eigenen Schwert das Leben, den Untergang Karthagos und Aufstieg Roms vorhersagend.

Personen:

Énée (Äneas), trojanischer Held, Sohn der Venus (Tenor)
Ascagne, Sohn von Énée (Sopran)
Panthée, trojanischer Priester (Bass)

in Troja:

Cassandre (Cassandra), trojanische Prophetin (Mezzosopran)
Chorèbe, asiatischer Prinz (Bariton)
Priam (Priamos) (Bass)
Hécube (Hekuba), Königin von Troja (Sopran)
Helenus, trojanischer Priester (Tenor)
Polyxène, Schwester von Cassandre (Sopran)
Der Schatten Hectors, eines trojanischen Helden (Bass)
Griechischer Soldat (Bass)
Andromaque und Astyanax, Witwe und Sohn von Hector (stumm)

in Karthago:

Didon (Dido), Königin von Karthago (Mezzosopran)Anna, ihre Schwester (Alt)Narbal, Minister Didons (Bass)Iopas, Dichter (Tenor)Hylas, junger Seemann (Tenor oder Alt)Zwei trojanische Soldaten (Bässe)Gott Mercure (Bass)Ein Priester Plutons (Bass)

Trojaner, Griechen, Tyrer, Karthager, Nymphen, Satyrn, Faune, Waldgeister, unsichtbare Schatten (Chor)