"L'Orfeo" im Konzertsaal

1607 in Mantua uraufgeführt

Libretto: Alessandro Striggio (nach den Metamorphosen von Ovid und Vergils Georgica)

L'Orfeo - Teatro alla Scala Mailand 2009

L'Orfeo von Claudio Monteverd steht an der Wiege der Gattung Oper. Der Komponist selbst bezeichnete das Werk noch als "Favola in musica". Heute gilt L'Orfeo aber als die erste Oper überhaupt. An der Grenze von Renaissance und Barock dominierte das "Intermedio", ein Schauspiel mit musikalischen Zwischenspielen. Monteverdi entwickelte daraus mit L'Orfeo eine der ersten komplett durchkomponierten Musiktheaterdramen und das erste, das aus einer Abfolge von "Arien" (diese Form war damals ganz neu), Rezitativen, Chören, Tänzen und Orchesterzwischenspielen bestand. Die Partitur mit insgesamt 41 Instrumenten enthält klare Zuordnungen zu dramatischen Ebenen: Streicher, Harpsichord und Rekorder stehen für das ländliche Thrakien, schweres Blech für die Unterwelt. Dennoch ist die Oper nicht im klassischen Sinne ausnotiert. Wie in der Renaissance üblich, folgten die Instrumentalisten zwar dem notierten Generalbass, hatten darüber hinaus aber beachtliche Freiheiten. Dieser Umstand macht jede Aufführung im Grunde zu einem unverwechselbaren Unikat.

 

Handlung:

Prolog:

Die "Musik" tritt als allegorische Figur auf, preist ihre eigene Macht und besingt den unsterblichen Ruhm des Orpheus, der mit seinem Gesang wilde Tiere und schließlich gar die Hölle bezwang.

Akt I:

Auf den Feldern Thrakiens befinden sich Orpheus und Euridike in der Gesellschaft von Nymphen und Hirten, die Hymenaios, den Gott der Ehe, um seinen Segen für die bevorstehende Hochzeit der beiden bitten. Orpheus und Euridike preisen ihr gemeinsames Glück. Zum Finale des Akts mahnt der Chor der Nymphen und Hirten, in Zeiten der Dunkelheit nicht in Verzweilfung zu verfallen.

Akt II:

Während Euridice Blumen pflückt, berichtet Orpheus im Kreise seiner Freunde von seinen Liebesqualen, die nun überwunden sind. Die heitere Runde wird von einer Botin unterbrochen, die meldet, dass Euridice von einer Schlange gebissen worden sei. Orpheus, außer sich vor Schmerz, gelobt Euridice aus der Unterwelt zu zurückzuholen, oder aber selbst zu einem Schatten zu werden.

Akt III:

Die Hoffnung führt Orpheus bis vor das Höllentor. Weiter kann sie ihn nicht begleiten, den in der Unterwelt muss jeder alle Hoffnung fahren lassen. Von da an steht Orpheus dem Fährmann Charon gegenüber, den er im Gegensatz zu Herkules nicht durch Gewalt, sondern durch die Macht seiner Musik gefügig macht. Nachdem Charon durch Orpheus Musik tief bewegt ist, schläft er ein (oder stellt sich schlafend), so dass Orpheus selbst mit seinem Boot über den Fluss Styx in die Unterwelt übersetzen kann.

Akt IV:

Auch Proserpina ist von Orpheus Leid berührt und bittet ihren Gemahl Pluto, Orpheus seine geliebte Euridike wiederzugeben. Aus Liebe zu seiner Gattin stimmt Pluto zu, allerdings mit Auflagen: So soll sich sich Oprheus auf seinem Weg in die Oberwelt nicht nach Euridike umschauen dürfen und auch Proserpina, die als Fruchtbarkeitsgöttin jedes Jahr auf die Oberwelt zurückkehrt, soll auf ewig in Plutos Unterwelt bleiben. Glücklich macht sich Orpheus auf den Weg. Doch er scheitert an seiner Aufgabe. Ein Geräusch läßt ihn erschrecken und sich nach Euridike umblicken. Düster besingt der Chor das Schicksal von Orpheus, der zwar die Unterwelt besiegt hat, aber an seinen eigenen Gefühlen scheitert und lobt denjenigen, der seine Affekte beherrscht.

Akt V:

Gemeinsam mit der Nymphe Echo beklagt Orpheus sein schweres Los. Er droht an seinem Liebesleid zu zerbrechen und verflucht schließlich alle Frauen. Da erscheint sein Vater Apollo als "Deus ex machina" aus einer Wolke und gemahnt ihn daran, dass nicht die Art der Edlen sei, sich von seinen Gefühlen übermannen zu lassen. Er bietet Orpheus an, ihn in den Himmel der Unsterblichkeit zu begleiten. Orpheus ist zunächst unsicher, weil er immer noch auf die Rückkehr von Euridice hofft. Apollo nimmt ihm diese Hoffnung, räumt aber ein, dass das Licht der Sonne und der Anblick der Sterne ihn für die Schönheit Euridices entschädigen werden. Orpheus lässt sich überzeugen und begleitet seinen Vater in den Himmel. Der Chor preist im Finale Orpheus, dem nach irdischen Qualen himmlische Ehre zuteil wurde.

Personen:

Orfeo (mittlere Stimmlage mit tenoralen Höhen und guten Tiefen)
Caronte (tiefer Bass)
Plutone (Bass)
Apollo (mittlere Stimmlage mit tenoralen Höhen)
1. Pastore (Bariton)
2. Pastore (Tenor)
3. Pastore (Alt)
1. Spirito (Bariton)
2. Spirito (Tenor)
La Musica (Sopran)
Euridice (Sopran)
Messagera (Mezzosopran)
La Speranza (Mezzosopran)
Proserpina (Sopran)
Ninfa (Mezzosopran)
Eco (Sopran oder Tenor)
Chor der Nymphen und Hirten / Chor der Geister