"Die Meistersinger von Nürnberg" im Konzertsaal

1868 in München uraufgeführt

Libretto: Richard Wagner

Meistersinger - Wiener Staatsoper 2009

Eine Ikone der Operngeschicht wie die "Meistersinger von Nürnberg" entsteht nicht über Nacht. Über einen Zeitraum von mehr  als 20 Jahren beschäftigte sich Richard Wagner mit dem Stoff. Am Ende ist daraus ein Füllhorn von kunstvoll miteinander verwobenen Konzepten, Ideen und Motiven zur vermutlich längsten komischen Oper der Operngeschichte verschmolzen: Eine im Stück verpackte Kunstkritik, ein theaterästhetisches Konzept, eine subjektive historische Würdigung der deutschen Handwerkskunst und Städtegeschichte der Renaissancezeit und nicht zuletzt natürlich eine grandiose musikalische Komposition mit einem faszinierenden Geflecht von Motiven und großartigen Gesangs- und Orchesterarrangements. Kein Wunder, dass die "Meistersinger" sofort zum Dauerbrenner wurden und das Eröffnungsstück für gleich mehrere Opernhäuser jener Zeit darstellten. Vor dem Hintergrund einer zunehmend nationalistisch aufgeladenen Gesellschaft war natürlich auch der - oft missverstandene - programmatische Hintergrund einer "heil'gen deutschen Kunst", wie sie Hans Sachs auf der Festwiese preist, dafür mitverantwortlich.

 

Handlung:

Nürnberg, etwa Mitte des 16. Jahrunderts.

Akt I:

Am Ende einer Messe in der Katherinenkirche hat der Ritter von Stolzing ein Auge auf die schöne Eva Pogner geworfen. Eva ist nicht abgeneigt. Deshalb gibt sie Stolzing den Hinweis, dass sie dem Sieger des Meistersinger-Wettbewerbs zur Verlobung versprochen ist. Evas Freundin Magdalena bittet daraufhin ihren Liebsten David, den Lehrling vom Schuster und Dichter Hans Sachs, Stolzing die Regeln des Meistergesangs zu erklären. Diese sind aber ganz offensichtlich so anspruchsvoll, dass Stolzing zunächst entsetzt ist. Bei der anstehenden Vorausscheidung der Sänger bewirbt sich Stolzing trotzdem gleich als Erster, noch bevor Kothner, der Sekretär der Meistersinger den Wettbewerb offiziell ausrufen kann. Damit macht er sich sofort seinen Mitbewerber Sixtus Beckmesser, den eifersüchtigen und pedantischen Stadtschreiber, zum Feind. Zum Beweis dafür, dass die Handwerksleute die Kunst hoch schätzen, lobt Pogner die Hand seiner Tochter Eva offiziell als Preisgeschenk für den Wettbewerb am nächsten Tag aus. Als Hans Sachs zu bedenken gibt, dass Eva - und das Volk - eine Mitsprache verdienten, räumt Pogner ein, Eva habe das Recht, die Hand des Gewinners zu veweigern, dürfe aber nur einen Meistersinger ehelichen. Nun stellt sich Walther von Stolzing als Autodidakten vor und singt sein frei komponiertes Meisterlied. Sein Konkurrent Beckmesser findet Fehler im Sekundentakt (wörtlich). Davon beeindruckt, lehnen die Meister Stolzings Lied ab. Nur Hans Sachs hat ein Ohr für die natürliche Schönheit von Stolzings Melodie.

Akt II:

Am Abend erzählt David seiner Liebsten Magdalena, wie schlecht es Stolzing im Wettbewerb erging, was diese sofort Eva berichtet. Schräg gegenüber sitzt Hans Sachs in der Tür seiner Werkstatt, wird aber bei seiner Arbeit vom Duft des Flieders und der Erinnerung an Stolzings Lied abgelenkt. Eva besucht den Schuster. Obwohl sie bekennt, dass sie sich wünschte, Hans Sachs selbst möge gewinnen, kann sie ihre wahren Gefühle für Stolzing nicht verbergen, als Sachs diesen zum Schein kritisiert. Als Eva sich davon macht, läuft sie in die Arme von Stolzing, der sie anfleht, mit ihm durchzubrennen. Sie verstecken sich vor dem Nachtwächter. Aus ihrem Versteck belauschen sie Beckmesser, der vor Evas Fenster - in dem aber Magdalena steht - eine Serenade anstimmt. Beckmessers geschraubtes Lied wird zu dessen Ungemach auch noch durch das Hämmern von Sachs sabotiert, der vorgibt, eine drängende Arbeit zu Ende bringen zu müssen. Als David schließlich dazukommt und Beckmesser scheinbar beim Minnegesang an seine liebste Magdalena ertappt, entspannt sich ein handgreiflicher Streit, der am Ende zur Massenprügelei wird. Schließlich erscheint der Nachtwächter und schickt die feuchtfröhlichen Streitbolde nach Hause.

Akt III:

Am nächsten Morgen sitzt Sachs in seinem Arbeitszimmer und grübelt über den "Wahn der Welt" und die seltsamen Ereignisse der letzten Nacht. Da erscheint Stolzing und erzählt Sachs von einem wundersamen Traum. Sofort erkennt der erfahrene und auch selbstlose Sachs in der Erzählung das Potential für ein Meisterlied. Er hilft Stolzing, die Traumvision in Form und Symmetrie zu bringen. Nachdem Stolzing gegangen ist, lugt Beckemesser neugierig herein und erhascht die Text-Notizen von Stolzings Lied. Sachs lässt sie Beckmesser behalten, der sich nun siegesgewiss wähnt. Eva besucht unter dem Vorwand eines drückenden Schuhs Sachs. Auch Stolzing erscheint und singt ihr sein Meisterlied vor. Eva ist hin- und hergerissen zwischen den beiden: Soll sie ihr Herz dem erfahrenen Meisterdichter oder dem anmutigen jungen Ritter schenken?

Auf der Festwiese vor der Stadt versammeln sich die Zünfte und Bürger unter ihren Bannern. Nach einem lustigen Walzer kommen die Meister herein. Sachs bedankt sich mit Rührung für die Bewunderung, die das Volk für seine Kunst empfindet. Beckmesser eröffnet den Wettbewerb, indem er Stolzings Text zu seiner eigenen Musik singt, was kläglich scheitert. Er verhaspelt sich und wird von der Menge schließlich ausgelacht. Als Stolzing nach ihm antritt, verzaubert er das Publikum mit seinem Lied, will aber den Preis dafür, die Meistermedaille, nicht annehmen. Sachs überzeugt ihn schließlich mit dem Argument, die Erneuerung sei in der Kunst genauso wichtig wie die Wahrung der Tradition. Schließlich finden alle ihr Glück: Wather von Stolzing gewinnt Eva und Eva krönt Hans Sachs mit Stolzings Siegerkranz.

Besetzung:

Meistersinger
Hans Sachs, Schuster (Bassbariton)
Veit Pogner, Goldschmied (Bass)
Kunz Vogelgesang, Kürschner (Tenor)
Konrad Nachtigall, Spengler (Bass)
Sixtus Beckmesser, Stadtschreiber (Bariton)
Fritz Kothner, Bäcker (Bass)
Balthasar Zorn, Zinngießer (Tenor)
Ulrich Eißlinger, Würzkrämer (Tenor)
Augustin Moser, Schneider (Tenor)
Hermann Ortel, Seifensieder (Bass)
Hans Schwarz, Strumpfwirker (Bass)
Hans Foltz, Kupferschmied (Bass)
weitere Rollen
Walther von Stolzing, ein junger Ritter aus Franken (Tenor)
David, Lehrbube Hans Sachs' (Tenor)
Eva, Pogners Tochter (Sopran)
Magdalene, Evas Amme (Mezzosopran)
Ein Nachtwächter (Bass)
Lehrbuben (Alt, Tenor)