"Parsifal" im Konzertsaal

1882 im Festspielhaus Bayreuth uraufgeführt

Libretto: Richard Wagner nach dem Versepos von Wolfram von Eschenbach

Parsifal - Mariinski Theater St. Petersburg 1998

Wie häufig bei Richard Wagner, ging der Entstehung des Parsifal eine mehrjährige Konzeptionsphase mit Prosaentwürfen, Lesungen und Orchesterskizzen voraus. Als das Werk im Jahr 1882 fertiggestellt war, verfügte Wagner, dass es ausschließlich in Bayreuth als sogenanntes "Bühnenweihfestspiel" aufgeführt werden solle. Dies und der christlich-religiöse Kern des Stoffes führte dazu, dass das Stück vom Publikum aufgrund seines "Weihecharakters" als quasi-religiöse Handlung aufgefasst wurde. Wagner selbst dagegen lag mehr an der Verwendung mythisch-ritueller Elemente, mit denen er durch die "Entrückung" den Blick für die "tiefsten Wahrheiten", möglicherweise jenseits aller Religiosität, öffnen wollte. Diese Diskrepanz zwischen Autor und Publikum ist in der Anekdote überliefert, dass Wagner selbst vom Publikum ausgezischt wurde, als er seinen Blumenmädchen im zweiten Akt Beifall spendete. Lange galt für Aufführungen des Parsifal der Grundsatz, dass entweder gar nicht oder nur an festgelegten Stellen applaudiert werden durfte. Dass es aber Wagner nicht um Religion im landläufigen Sinne ging, beweist auch die von ihm gewählte Schreibweise des Titels, die er angeblich vom persichen "parsi" (für "Tor") und fal (für "rein") abgeleitet hatte. Das zentrale (christliche) Mitleidsmotiv der Handlung als Kern einer Erlösungsverheissung führte zum endgütligen Zerwürfnis zwischen Wagner und Nietzsche, die zuvor eine jahrzehntelange, tiefe Freundschaft verbunden hatte.

 

Handlung:

Ort und Zeit der Handlung ist das mythische Mittelalter der Grals-Sage.

Akt I:

Waldlichtung vor der Gralsburg. König Amfortas leidet an einer nicht-heilenden Wunde, die ihm Klingsor, ein verstossener Ritter, mit dem entwendeten heiligen Speer beigebracht hat. Auch Heilbalsam, den Kundry aus Arabien herbeibringt, schafft nur vorübergehende Linderung. Ein toter Schwan sorgt für Empörung. Sein Jäger, Parsifal, wird für seine Tat zur Rede gestellt, erweist sich aber als unbedarft unschuldig. Gurnemanz, der älteste der Ritter und Vertraute des Königs, erkennt in ihm sofort den "reinen Toren", den einzig möglichen Retter, dessen Mitleid Amfortas von seinen Qualen erlösen kann. Im Schloss versammeln sich die Ritter und enthüllen den Gral. Parsifal verfolgt das Schauspiel ohne es zu verstehen.

Akt II:

Im Zaubergarten Klingsors in der Wüste. Kundry stellt sich als diejenige heraus, die Amfortas verführt und damit zum Verlust des heiligen Speers und Amfortas Verwundung geführt hat. Weil sie Jesus auf dem Kreuzweg verhöhnte, ist sie seit jeher verflucht und kann nur durch einen Mann erlöst werden, der ihren Reizen widersteht. Widerwillig fügt sie sich der Anordnung Klingsors, auch Parsifal zu verführen. Der kann zwar der Verführung durch die Blumenmädchen widerstehen, verfällt aber dann doch den Reizen Kundrys, die ihm, dem halbwaisen Tor, von seinen Eltern erzählt. Als sie ihn umarmen will, durchfährt Parsifal die Erleuchtung. Er wird "welthellsichtig" und erkennt den wahren Grund für Amfortas Leiden. Als er Kundry von sich stößt, will ihn Klingsor mit dem heiligen Speer töten. Doch anstatt Parsifal zu durchbohren, schwebt der Speer über dessen Haupt. Er ergreift den Speer, schlägt mit ihm das Kreuzzeichen, woraufhin Klingsor und sein Zaubergarten der Zerstörung anheimfallen.

Akt III:

Waldlichtung nahe der Gralsburg. Jahre später. Parsifal hat eine lange Irrfahrt zurück zur Gralsburg hinter sich, die im Orchestervorspiel anklingt. Gurnemanz, mittlerweile Einsiedler, findet Kundry im Wald. Sie ist völlig verwandelt, sanft und hilfsbereit. Parsifal erscheint als schwarzer Ritter. Nach kurzem Gespräch erkennt ihn Gurnemanz und berichtet ihm vom Zerfall der Gralsrunde, dem Tod von Amfortas Vater und dem bevorstehenden Ende Amfortas selbst, der einzige Linderung seines Leidens, die Gralsenthüllung, verweigert. Parisfal ist verzweifelt, dass er für die Rettung Amfortas möglicherweise zu spät kommt. Gurnemanz salbt ihn dennoch zum neuen Gralskönig. Frisch gekrönt, tauft Parisfal Kundry und alle drei begeben sich zur Beisetzung Titurels auf die Gralsburg. Im Kreise der verbliebenen Gralsritter bittet Amfortas am Sarg seines Vaters verzweifelt darum, von den Rittern getötet zu werden, damit einem von ihnen der Gral leuchte. Als neuer Gralskönig erscheint Parisfal in Begleitung von Kundry und Gurnemanz und schliesst Amfortas Wunde durch Auflegen des heiligen Speers. Als neuer Gralshüter enthüllt er den Gral wobei eine Taube über ihm schwebt. Alle huldigen dem neuen Herrscher, nur die erlöste Kundry sinkt leblos zu Boden.

Personen:

Amfortas, Gralskönig (Bariton)
Titurel, Amfortas’ Vater (Bass)
Gurnemanz, Gralsritter (Bass)
Parsifal (Tenor)
Klingsor (Bass)
Kundry (Sopran oder Mezzosopran)
Zwei Gralsritter (Tenor und Bass)
Vier Knappen (Sopran und Tenor)
Klingsors Zaubermädchen (6 Einzelsängerinnen, Sopran und Alt)
Stimme aus der Höhe (Alt)
Chor:
Zaubermädchen (Sopran und Alt)
Bruderschaft der Gralsritter (Tenor und Bass)
Jünglinge und Knaben (Tenor, Sopran und Alt)