"Zoroastre" im Konzertsaal

1749 uraufgeführt

Libretto: Louis de Cahusac

Zoroastre - Drottningholm Stottsteater Stockholm 2006

Jean-Philippe Rameau (1683-1764) war zuerst als Musiktheoretiker in Erscheinung und trat als Komponist erst recht spät in Erscheinung. Er bereicherte die Musik aus der Tradition von Jean-Baptiste Lully und zwang den Zuseher nicht nur zur intellektuellen, sondern auch emotionalen Auseinandersetzung mit dem Bühnengeschehen. Zudem wurden die Stoffe volksnäher und das Ballett mit der Handlung verschmolzen. Diese Modernisierung brachte ihm nicht nur Zuspruch und ein regelrechter Kunstkrieg zwischen den Anhängern Lullys ("Lullisten") und Rameau ("Rameauneurs") entbrannte. Der Komponist verzichtet bei diesem Werk erstmals auf den traditionellen Prolog. Auch der Stoff stammt nicht wie bis dahin üblich aus der griechischen oder römischen Mythologie, sondern basiert auf der historischen Figur des altiranischen Zaotars (Priesters) Zarathustra. Das Libretto zu "Zoroastre" verfasste Louis de Cahusac, ein führender Freimaurer Frankreichs, der für Rameau mehrere Libretti verfasste. Die aufklärerischen Gedanken der Freimaurer sind in mehreren Werken des Komponisten zu finden, doch am Deutlichsten in "Zoroastre" (Zarathustra). In "Die Zauberflöte" von Mozart und seinem Librettisten Schikaneder, beides Freimaurer, hat die Priesterfigur "Sarastro" klare Züge des historischen Zarathustra, der in der Freimaurerei große Achtung erfährt. Giacomo Casanova übersetzte "Zoroastre" ins Deutsche - diese Bearbeitung wurde 1752 in Dresden zur Aufführung gebracht. Die erste Fassung des Werkes wurde 1749 in Paris wenig euphorisch aufgenommen. Eine Überarbeitung Jean-Philippe Rameaus geriet schließlich 1756 zu einem großen Erfolg.

 

Handlung:

Akt I:

Im Königreich Baktrien herrscht nach dem Tod des Königs Unruhe. Die zwei Königstöchter Amélite und Erinice kämpfen um die Nachfolge ihres Vaters. Beide lieben Zoroastre, der die Kräfte des Guten gegen die des Bösen unter dem Zauberer Abramane anführt. Zoroastre bevorzugt Amélite, die rechtmäßige Nachfolgerin des Königs, und so sind die Lager klar. Vereint mit Erinice hat Abramane Zoroastre ins Exil verbannt und schickt Dämonen, Amélite rauben.

Akt II:

Zoroastre fand im Palast des Königs der guten Dschinns, Oromasès, Zuflucht. Oromasès schwört Zoroastre mit einem Ritual darauf ein, das Böse zu besiegen und Amélite zu retten. In der Festung Baktriens quälen Abramane und Erinice die feindliche Königstochter, um sie zum Verzicht auf den Thron zu bewegen. Zoroastre erscheint, rettet Amélite und sie wird feierlich Königin von Baktrien.

Akt III:

Beim Hochzeitszeremoniell von Zoroastre und Amélite erscheint Abramane auf einem feurigen Wagen und raubt Amélite abermals.

Akt IV:

Im Tempel des Gottes Arimane muss Abramane vernehmen, dass der Kampf zugunsten der Kräfte des Guten zu kippen droht. Er bringt Opfer und beschwört die Macht des Bösen.

Akt V:

Die mittlerweile geläuterte Erinice warnt Zoroastre vor einem gewaltigen Angriff Abramanes. Der böse Magier erscheint auf seinem feurigen Wagen, führt Amélite in Ketten vor und fordert Zoroastre zur Flucht auf. Doch dieser beschwört die Götter, die den Feind und seine Mitstreiter mit Blitzen niederstrecken. Umjubelt werden Zoroastre und Amélite zum Königspaar gekrönt.

Personen (Auswahl):

Zoroastre (haute-contre)
Abramane (Bassbariton)
Amélite (Sopran)
Erinice (Sopran)
Zopire (Bassbariton)
Céphie (Sopran)
Oromasès (Bassbariton)