Macbeth - Salvatore Sciarrino - Videokritik

von Salvatore Sciarrino

Im Rahmen ihres Festivals INFEKTION! präsentiert die Staatsoper Berlin das Werk „Macbeth“ des italienischen Komponisten Salvatore Sciarrino – ein Glücksfall. Sciarrino, der sich ausdrücklich als musikalischen Autodidakt bezeichnet, ist ein Meister der Reduktion. Sein beinahe atavistischer Stil, der stark auf Stimmen, wenige Orchesterakzente und vor allem auf Stille setzt, findet einen überaus fesselnden Zugang zu diesem hochdramatischen Stoff. Tradition ist hier nicht die Anbetung der Asche Shakepeares und Verdis, sondern die Weitergabe ihres Feuers. Sciarrino ist sein eigener Librettist und verdichtet Handlung und Sprache zu ikonischen Szenen, die das Seelenleben seiner Hauptdarsteller sezieren. Sciarrino zeigt Macbeth und seine machtgierige Lady wie sie von den Schatten ihrer eigenen grausamen Handlungen verfolgt, gequält und schließlich zerstört werden. Sciarrino vermeidet die Bezeichnung „Oper“ für sein Werk und nennt es anstatt dessen drei namenlose Akte. Akte, die uns mit zauberhaft spannenden musikalischen Minimalistik immer tiefer in den Bann der Seelenwelt ihrer Hauptdarsteller ziehen. Die Aktionen der Handlung, der Mord an Banquo und das Erscheinen Macduffs sind hier wie im epischen Theater nur ikonsiche Repräsentationen. Im Kern aber geht es Sciarrino um die Psychologie seiner Hauptfiguren. Ihr Untergang, der eigentlich nicht von außen kommt, sondern sie quälend langsam von innen heraus zerfrisst, ist das eigentliche Meisterwerk dieser drei namenlosen Akte.

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Komponist

Salvatore Sciarrino

Einzelwerke

Macbeth (Kammeroper)

Regie

Jürgen Flimm

Dirigent

David Robert Coleman

Mitwirkende:

Otto Katzameier (Macbeth), Carola Höhn (Lady Macbeth)

Team:

Magdalena Gut (Bühnenbild), Birgit Wentsch (Kostüme), Olaf Freese (Lichtgestaltung)

Details

Komponist:

Salvatore Sciarrino

Aufnahme:

Staatsoper Berlin 2014

Originalsprache:

Italian (Stereo)

Dauer:

00:04:50